08 Zweiundzwanzigstes Buch.
den anderen Hansestädten, der alte gemeinnützige Genossen⸗
schaftssinn des Mittelalters noch erhalten. Wie Lübeck sich
seiner „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit“
erfreute, so hatte Hamburg seine „Patriotische Gesellschaft“,
in der der Eifer der Bürger zu sozialer Betätigung zum Aus—
druck kam.
Gekrönt aber wurde dieser ganze Aufschwung durch die
ceiche Entfaltung geistiger Interessen?.
Eine ähnlich günstige Entwicklung wie Hamburg, Bremen
und andere Seestädte im Norden behielten im 17. und 18. Jahr—
hundert auch die Städte am Oberrhein, so Straßburg und
Kolmar, teilweise auch Frankfurt a. M., vor allem aber die
schweizerischen Städte und unter ihnen wieder an erster Stelle
Basel und Zürich. Der Grund lag hier darin, daß im
16. Jahrhundert und nochmals im 17. Jahrhundert zahlreiche
talienische und französische Refugianten, Locarner z. B. und
Hugenotten, eingewandert waren, die in ihre neue Heimat
größeres Kapital, frisches Blut, entschiedenen Unternehmungs—
zeist und vor allem die fortgeschrittenen Formen der italienischen
und französischen Industrie und Handlung mit einbrachten.
Will man sich von der Macht und Bedeutung dieser Ein—⸗
vanderung eine Vorstellung machen, so vergegenwärtige man
sich, daß z. B. in Basel unter den sogenannten Patrizier—
familien dieser und späterer Zeit die Socin, Wertemann
Vertemate), Debary, Sarrasin, Passavant, Bernouilli u. a. m.
Refugiantenfamilien sind, und daß neben ihnen verhältnis—
mäßig nur noch wenige Altbasler Geschlechter, wie die Iselin,
die Hoffmann, die Heusler, die Thurneysen, die Burckhardt,
ttehen geblieben sind.
Die Refugianten begründeten nun schon im 16. Jahr—
hundert eine ganze Anzahl von Manufakturen, und zwar zu—
meist in Industrien, die bis dahin auf deutschem Boden
weniger gepflegt worden waren, besonders in Luxusindustrien,
und vollendeten deren Ausbau bis etwa zum Ende des
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