Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums. 147
tales nach Ulm und Augsburg und nach anderen Stätten
altberüuhmten Handels und Gewerbes und endlich durch das
Oberrheintal nach der Schweiz und nach Straßburg.
Vor allem aber konzentrierte sich der Verkehr in mehreren
großen alljährlichen Messen. Schon im Jahre 1557 werden
diese Messen als die bedeutendsten aller deutschen Märkte be—
zeichnet; es heißt, daß in ihnen Kaufleute aus ganz Deutsch⸗
land, aus Flandern, England, Frankreich, Polen, Italien,
Ungarn und Rußland zusammenströmten. Ihren vollen Auf—
schwung aber nahmen diese Messen doch erst nach der Zer—
störung des Antwerpener Verkehrs (1575). Zwar erlangte
hierdurch zunächst Köln ansehnliche Bedeutung; 1566 wurde
hier eine Börse errichtet. Indes der Kölner Verkehr blieb
unregelmäßig und entwickelte sich um so weniger zu dauernder
Höhe, als der Rat der Stadt bald gegen die protestantischen
Flüchtlinge aus den Niederlanden, mit die Hauptträger der
Jeuen Entwicklung, einschritt. Der schließliche Nutzen fiel viel⸗
mehr Frankfurt zu.
Zum Warenhandel aber kam jetzt auch bald ein sehr an⸗
sehnlicher Geldverkehr, dessen Entstehen im wesentlichen darauf
zurückzuführen war, daß die Stadt für eine Konzentration
wenigstens des deutschen Zahlungsverkehrs besonders günstig
gelegen war. In diesem Zusammenhange wurde 1585 eine
feste Meßwährung geschaffen, indem sich die Kaufleute über
die Geldsorten, welche sie in Zahlung nehmen wollten, und
über deren Preise einigten. Später hat dann die Errichtung
eines „Meß-Skontros“ viel zu Vereinfachung des Zahlungs⸗
geschäftes beigetragen; und im Jahre 1614 wurde eine voll—
ftändige Börse errichtet.
An den Zahlungsverkehr aber schloß sich eine allgemeine
Entwicklung des Kapitalmarktes und ein mäßiges Anleihe⸗
geschäft an Fürsten und Städte an, auch wurden wohl Unter⸗
nehmen in Berg⸗ und Hüttenwerken oder Beteiligung an solchen
zgewagt.
Indes die Bedeutung des Geldmarktes ging doch schon
in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges wieder
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