Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

— 
Residenz zu machen, und wollte in seinen kühnsten Träumen 
in der Stadt seiner Wahl wohl schon die Hauptstadt eines 
künftigen wettinisch-deutschen Reiches erblicken. 
Leipzig ist in die ihm zufallende Stellung des 16. bis 
18. Jahrhunderts in Kämpfen gegen Halle, wohin die alten 
Salzstraßen führten, und gegen Erfurt, das alte thüringische 
Handelszentrum, eingerückt. Diese beiden Städte erscheinen um 
1500 als überwunden. Leipzigs große Meßprivilegien datieren 
aus den Jahren 1497 und 1507; darunter vor allem das 
Stapelrecht in der Form, daß unter Ungültigkeitserklärung 
des Erfurter Stapelrechts „nun hinfür kein Jahrmarkt, Messe 
oder Niederlage inner 15 Meilen geringsum die Stadt Leipzig 
soll aufgerichtet und gehalten werden“. Damit war auch der 
Straßenzwang gegeben und vor allem die Straße Hof—Dresden 
lahmgelegt und hiermit wiederum der schlesische Handel an 
Leipzig herangezogen. Befestigt wurde diese schon in der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts günstige Lage Leipzigs dadurch, 
daß in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts sich, vor Albas 
Grausamkeit fliehend, eine Anzahl von niederländischen Re— 
fugianten in der Stadt einfand, durch die die Industrie, 
namentlich deren textile Zweige, wie z. B. die Sammet- und 
Seidenweberei, mächtig gehoben wurden; daß weiterhin in 
dieser Zeit die Stadt noch mehr als bisher das kommerzielle 
Zentrum des unter Kurfürst Augusts Hand mächtig empor— 
blühenden Kursachsens wurde, und daß endlich Kurfürst August 
selbst im Interesse Leipzigs direkte Verträge mit Holland, damals 
dem Standorte des Welthandels, anknüpfte. 
Zugleich aber traten seit dem Schlusse des 16. Jahr⸗ 
hunderts auch die Bremer und namentlich die Hamburger Be— 
ziehungen immer mehr in den Vordergrund: liegt doch Leipzig 
ungefähr in der Mitte jenes Tieflandbusens der mittleren 
Elbe, der sich zwischen den Absenkungen des Harzes, des 
Thüringer Waldes und des Erzgebirges in das mitteldeutsche 
Gebirgsland hineinbuchtet, und bildet es darum namentlich 
für einen nach Süden gerichteten Hamburger Hinterlandshandel 
die erste große Etappe. Ein solcher Hinterlandshandel aber
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.