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Zweiundzwanzigstes Buch.
Deutschlands in Handel und Industrie durch einen „allgemeinen
Reichsschluß zu Regensburg“ nicht mehr zu beseitigen sei; da—
gegen müßten die einzelnen Fürsten, jeder in seinem Lande,
„die wahre Landesökonomie durch bessere Einrichtung des Ge—
werbes und der Manufaktur sich empfohlen sein lassen“. Und
daß dabei vor allem an Manufakturen gedacht wurde, zeigen
AÄußerungen wie die Johann Joachim Beckers in seinem Poli—
tischen Diskurs, 1668: Die „Verläger sind vor Grundsäulen
aller Stände zu halten: von ihnen lebt der Handelsmann,
von-diesem der Bauer, von diesem der Edelmann, von diesem
der Landes-Fürst und von diesen allen wieder der Kaufmann“.
Gewiß war die Ansicht Beckers falsch, aber es bedurfte
eines solchen übertreibenden Enthusiasmus, um vorwärts zu
kommen, und er wurde von manchen Fürsten geteilt. So hat
Becker, soweit der gute Wille der Herrscher in Betracht kam,
nicht ohne Erfolg den Versuch machen können, in der Pfalz,
in München und in Wien Seidenmanufakturen ins Leben zu
rufen; dem Kurfürsten von Bayern hat er auch den Vorschlag
gemacht, eine für den Wollankauf des ganzen Landes bevor—
rechtete Gesellschaft zu errichten, die die Wolle dann durch in—
ländische Meister verweben lassen sollte.
Konnten aber diese Bestrebungen, nur von deutschen
Kräften getragen, allein aus sich heraus Erfolg haben? Es
ist eine Frage, die vielleicht am besten durch die Geschichte der
Versuche in Österreich beantwortet wird; denn waren hier
auch die sozialen Voraussetzungen, vorwärts zu kommen,
schlechter entwickelt als anderswo, da es an einem reicher
entfalteten Bürgerstande fehlte, so bestanden doch in dem Ein—
fluß und der Macht des Herrscherhauses und der Großräumig⸗
keit des Reiches Bedingungen, die in diesem Grade und Um—
fange sonst nirgends ins Gewicht fielen.
Für Osterreich hat Becker im Jahre 1666 den Plan
eines Kommerzienkollegiums ausgearbeitet, dessen Aufgabe
die „Einführung der Manufakturen und Vermehrung der
Kommerzien“ im Lande sein sollte. Er wurde auch genehmigt.
Darauf beabsichtigte man zunächst eine „Seidenkompagnie“ zu