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Zweiundzwanzigstes Buch.
Gewerbe möglichst zu vermeiden gesucht, und so hatte fast
durchweg die Herstellung nicht zünftiger Manufakte im Vorder—
grunde gestanden; man hatte ferner die jungen Gebilde auf—
kommender Manufakturen durch energischen Schutzzoll, wenn
nicht gar Einfuhrverbote nach außen hin und durch Verleihung
einer monopolistischen Stellung auch im Innern zu fördern
gesucht; man hatte endlich die für den größeren Vertrieb von
Manufakturerzeugnissen notwendigen Handelsverbindungen ge—
plant. Warum nun trotzdem der Fehlschlag? Man kann ihn
einerseits auf die ungenügende Durchführung der soeben
zusammengefaßten Maßregeln zurückführen: Reste mittelalter—
licher Wirtschaftseinrichtungen hinderten die freie Auswirkung
des Monopols und des Vertriebes; eine nicht genügend ver—
einheitlichte Verwaltung schwächte oder erstickte gar wohl—
gemeinte und gute Maßregeln der Zentralgewalt schon im
Keime. Aber daneben wirkten andere, tiefere Ursachen, die
auch bei tadelloser Durchführung der fürstlichen Politik große
Erfolge auf lange verhindert haben würden: vor allem der
Mangel an Kapital und Wagemut und damit an Unter—⸗
nehmern und die übermächtige Konkurrenz des Auslandes. Von
ihnen war der Kapitalmangel und die Mutlosigkeit wesent⸗
lich eine Folge der Vertreibung des protestantischen Bürger⸗
tums in der Zeit der Gegenreformation; mit der ausländischen
Konkurrenz aber hatte es folgende Bewandtnis.
Der Export von Manufakturwaren nach Mitteleuropa und
besonders Deutschland war bis zur ersten Hälfte des 17. Jahr⸗
hunderts vornehmlich in italienischen Händen gewesen: denn
Italien war das früheste Land stark entwickelter Manufaktur.
Dann aber wurde das italienische Manufakt allmählich durch
das der billiger liefernden französischen Industrie verdrängt;
selbst die höchsten aristokratischen Kreise zogen allmählich die
Waren von Tours und Lyon, von Paris, Rouen, Chalons,
Rheims und Chartres denen Venedigs und der lombardischen
Städte vor; und selbst in feinen Tuchen, welche Deutschland
noch am längsten selbst erzeugt hatte, siegten schließlich die
Franzosen mit ihren leichteren, eleganteren und zugleich billigeren