Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

i78 
Zweiundzwanzigstes Buch. 
als den territorialen Markt zu gewinnen; es sei der Vertrieb 
ins territoriale Ausland wenigstens einigermaßen zu regeln; 
und es bedürfe zum Absatz der Manufaktur weit verbreiteter 
distributiver Gewerbe, insbesondere eines auch ins kleinste ent— 
wickelten Handels. Und auf diesem Gebiete wurde nun doch 
schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das 
Wünschenswerte erreicht. Etwas mißmutig erkennt es Möser 
in seinen Patriotischen Phantasien (1775) an: „Die Krämer 
haben sich (seit hundert Jahren) gerade dreifach vermehrt und 
die Handwerker unter der Hälfte verloren. Der Eisenkram 
hat den Kleinschmied, der Bureau- und Stuhlkram den 
Tischler, der Goldkram den Bortenwirker, der goldene, härene, 
gelbe und weiße Knopf den Knopfmacher und Gelbgießer ver—⸗ 
dorben. Und kann man sich eine Sache gedenken, womit der 
Krämer jetzt nicht heimlich oder öffentlich handelt?“ 
Dabei kam aber in der Reglementierung der Manufakturen 
keineswegs bloß die Förderung von Luxusindustrien in Be— 
tracht, wenngleich auch diese vorwärts gelangten, sondern es 
handelte sich um die Pflege der wichtigsten Gewerbe des Landes 
überhaupt. Vor allem die Textilindustrien im weitesten Sinne 
standen da in Frage: die Leinenindustrie in Schlesien, die 
nach England, Holland, Spanien, Westindien vornehmlich 
über Hamburg exportierte; die vogtländische Schleierindustrie; 
die Strumpfwirkerei in Thüringen (Apolda, reglementiert seit 
1713) und in Oberfranken (Erlangen, nicht zeitig genug 
reglementiert und darum vorfrüh verfallen); vor allem aber 
die altnationale Wolltuchindustrie, die sich vielleicht am meisten 
in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu 
neuer Blüte hob: in den Jahren 1765 und 1774 ist man 
—D 
Merinozucht (Elektoralschafe) geschritten. Es war ein Auf— 
schwung, der sich immer deutlicher in dem wachsenden in— 
dustriellen Charakter einiger deutschen Gegenden aussprach; 
wir finden in der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts im 
Wuppertal schon eine Bevölkerung von 5000 Seelen auf die 
Geviertmeile, von 3000 in Kursachsen und im Herzogtum
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.