Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
bunden hatten, los und ledig: und das Prinzip des freien 
wirtschaftlichen Wettbewerbes aller ergab sich als die eigent— 
liche wirtschaftliche Lösung des neuen Zeitalters. 
Freilich: in der Frühzeit, in der sich unsere Erzählung 
zunächst bewegt und bei der sie noch auf lange verweilen wird, 
leuchtete dieser Grundsatz erst leise anglühend aus den Wand— 
lungen des fortschreitenden Wirtschaftslebens hervor: noch 
fehlte ihm jeder mammonistische Zug, noch galt bloßes Streben 
nach Gewinn als voller Lebensinhalt für gemein und ver— 
ächtlich. Es war ein Zustand, der noch die Amalgamierung 
der bisher geschilderten sozialen und seelischen Entwicklung mit 
einer sehr merkwürdigen anderen Erscheinung der gleichen Zeit 
gestattete: mit der Entstehung und Entwicklung einer allgemeinen 
nationalen Bildung. 
2. In einem Aufsatze Laskers über Halbbildung findet 
sich der Satz: „Die Aufgabe der Erziehung ist, auf alle denk— 
baren Lagen vorzubereiten; auf sie eingerichtet sein, ist der 
Inhalt der Bildung.“ Und Schmoller bemerkt in seinem Buche 
über das Kleingewerbe, für die Lösung der sozialen UÜbel des 
19. Jahrhunderts sei der Besitz längst nicht so wichtig, wie 
die persönlichen Eigenschaften. Die Hauptsache sei die geistige 
und technische Hebung des Arbeiter- und Handwerkerstandes, 
seine Erziehung zu anderen gesellschaftlichen Gewohnheiten, zu 
anderen häuslichen Sitten, zu einem weiteren Blicke, zu höherer 
technischer Bildung: bei der Rechts- und Staatsverfassung der 
Zeit seien alle sozialen Gegensätze zunächst Bildungsgegensätze. 
Es sind zwei Urteile aus der Zeit, da die Unterscheidung 
der Volksgenossen in Gebildete und Ungebildete vielleicht am 
entschiedensten durchgeführt war: aus den Endjahren der ersten 
Periode des Subjektivismus, aus der Bluütezeit des konse— 
quenten politischen Liberalismus. Man sieht: damals wurde 
unter Bildung im weitesten Sinne genügende persönliche Vor— 
bereitung für ein erfolgreiches Leben in subjektivistischer Zeit 
verstanden, wobei diese Vorbereitung als eine doch wesentliche 
intellektualistische gedacht war.
	        
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