Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Gesellschaft, neues Seelenleben. 
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strömenden Gefühl einer gesetzlichen Freiheit bewegte, davon 
wird am Schlusse der Erzählung dieses Bandes eingehend die 
Rede sein. Wichtiger fast noch, und darum später ebenfalls 
eingehend darzustellen, ist der Weg, den auf dem Gebiete der 
Dichtung vereint Goethe und Schiller gegangen sind. Ihnen 
beiden, Goethe mehr für die Naturanschauung, Schiller zumeist 
für die dichterische Gestaltung der Menschenwelt, gelang es, 
über dem platten Naturalismus der Einzelerscheinung höhere 
Prinzipien nicht bloß zu entdecken, nein zu erleben: Prinzipien, 
denen sich das Einzelne fügte, indem es zugleich zum Typischen 
der Natur und des Menschenschicksals erhöht ward. Und damit 
nicht genug, unterstellten die Dichterfürsten auch die typisch er— 
höhten Gebilde ihrer Phantasie nochmals der Einwirkung von 
Urphänomenen und Ideen, die ihrem Zusammenhange den 
Stempel des Notwendigen, des schlechthin Allgemeinen, des 
menschlich Göttlichen aufdrückten. 
Es war ein weiter Weg von den Anfängen der neuen 
Kunst in einem nicht selten abstoßenden Naturalismus bis zu 
diesen Höhen der Klassizität, auf denen die Gesetze neuer 
ästhetischer Dominanten ehernen Tafeln anvertraut wurden. 
Und wenige nur sind ihn aus der Menge der naturalistischen 
Dichter und Denker bis zu Ende gegangen. Empfindsamkeit 
und Sturm und Drang waren noch umfangreiche soziale Er— 
scheinungen gewesen; namentlich die Kultur der Empfindsam— 
keit hatte sich weiten Anhanges zu rühmen vermocht; einsam 
blieb es lange um die Dioskuren von Weimar. 
Aber durfte man, wenigstens für die Entwicklung im 
hohen Grade schöpferischer Naturen, einen anderen Ausgang 
erwarten? Auserwählt werden stets wenige sein, und höchste 
Ziele vornehmlich phantasiereicher Selbstbeherrschung ziemen 
nur dem Meister. Die Anschauung aber, die heute gewöhnlich 
zu werden beginnt, daß die Nation als genießender und auf— 
nehmender Teil den Großen von Weimar nicht habe folgen 
können, bedarf doch sehr der Berichtigung. Goethe war seinem 
Wesen nach Aristokrat; nie hat er den Beifall der Vielen ge— 
sucht, und oft wähnte er seiner nicht zu bedürfen. Schiller
	        
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