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Einleitung.
Erziehungskunst von der eigentlichen Pädagogik bis zur Straf⸗
rechtspflege eröffneten sich mit den neuen Perspektiven niemals
gekannte Aufgaben. Was nun Trieb hieß, sollte nicht mehr
unterdrückt, sondern veredelt werden und damit, wenn auch
vielleicht ursprünglich verwerflich, doch in Wahrheit ein Teil
dessen sein, das stets das Böse ist und stets das Gute schafft.
Indem aber so aller Fortschritt menschlicher Bildung auf
das spezifische Innere des Menschen abzuzielen begann, wollte
der subjektivistische Mensch nur als sittliche und geistige Perfön—
lichkeit geschätzt, nicht aber mehr oder doch nur nebenher als
ästhetische Erscheinung bewundert werden. Da führte denn
ein vollentwickeltes subjektivistisches Selbstbewußtsein zu der
Vorstellung, daß man nicht Objekt, sondern durchaus Subjekt
sei ästhetischen Genießens, und ein verfeinerter Geschmack
verwarf die äußerlichen Mittel persönlicher Wirkung, er—
zwungenes Zermoniell und das Abzeichen der Trachten. Die
Kleidung ging damit zusehends ins Einförmige, Gleichartige,
Nüchterne, Farblose, Unpersönliche über, und nur die Frauen
hlieben Verehrerinnen einer an ihren Körper gebundenen
praktischen Asthetik. Ja in besonders demokratischen Gesell⸗
schaftssphären ging man noch weiter: die glänzende Uniform
wurde, wo sie nicht umgangen werden konnte, zur bloßen
Tracht der Amtsstunde, und Prahlen mit Rang und Reich⸗
tum, ja Schönheit erregte Anstoß. Es war eine Richtung der
Entwicklung, die nur — und zwar in steigendem Maße —
durch eine andere Bewegung scheinbar gegengewogen wurde,
welche die Form und damit auch die äußere Lebens— und
Daseinsform des Individuums für eine noch sicherere Wehr
zum Schutze innerster persönlicher Freiheit erachtete als die
Schlichtheit. Und ist die Schlichtheit der Männertracht der
letzten Generationen schließlich nicht schon an sich zur Form
geworden?
Hinter dem im Vergleiche zur Kultur früherer Jahr—
hunderte unscheinbaren Außern steht nun aber diese unendlich
reiche moderne Persönlichkeit mit der ganzen Tiefe der Er—
kenutnis ihres Selbst wie ein Leben, das fast nicht mehr in