Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Einleitung. 
Es sind seelische Krankheiten oder wenigstens pathologische 
Auswüchse des Subjektivismus, die am Ende nur dadurch 
überwunden werden können, daß der einzelne trotz alles 
Ausdehnungstriebes seine innere Bedingtheit anerkennt, möge 
er sie nun als praktische Forderung der Zeit verstehen oder 
aus dem Wesen der menschlichen Seele ableiten: wobei beide 
Motive im letzten Grunde miteinander zusammentreffen. Und 
so tritt denn der Erpansion des Subjektivismus ein Streben der 
Selbstbindung, ein besonders hoher Grad der Selbsterziehung 
als eine weitere charakteristische Eigenschaft des neuen Zeit⸗ 
alters gegenüber. 
Diese Selbstbindung äußert sich auf allen Gebieten: auf 
denen der Kunst in dem freilich erst spät erfolgreichen Streben 
nach den Anfängen einer neuen objektiven Stilbildung, wie 
sie namentlich Architektur und Kunstgewerbe der Gegenwart 
aufweisen, auf dem der Verstandestätigkeit in der überaus 
regen Wirksamkeit in der Bildung idealistischer Systeme der 
Philosophie und in den zunehmenden Regungen kirchlicher 
Frömmigkeit sowie in den ersten Stadien, da diese neuen Aus— 
wirkungen erst noch zu erwarten waren, in der merkwürdigen 
Um- und Heimkehr so vieler besonders freier Geister in die 
Gebundenheiten des Katholizismus. Am lebendigsten aber und 
anschaulichsten hat sie sich selbstverständlich doch auf dem Ge— 
giete der Willenstätigkeit entfaltet. 
Hier ist das eigentlich Bezeichnende alsbald die Ent— 
wicklung starker und immer stärker werdender Gemeingefühle 
gegenüber dem grundsätzlichen Ichgefühl, das Stern und Kern 
des Subjektivismus zu sein schien. Aber trägt das Subjekt, 
indem es gegenüber den Objekten der Natur und Menschen⸗ 
welt lebendig wirksam wird, nicht unauslöschlich in sich eben 
auch altruistische Gefühle? Und erscheint sich das Subijekt, 
indem es sich als lebendigen Mikrokosmos betrachtet, nicht 
jeden Augenblick auch als Durchgangspunkt unendlich vieler, 
an sich doch auch aktueller Beziehungen, die es mit Natur und 
Willenswelt verknupfen? Und mußte nicht endlich das zu— 
nehmende Bewußtsein der auflösenden Wirkungen eines rein
	        
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