Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Einleitung. 
lichkeit. Dabei liegt es nicht bloß im Sinne, sondern fast 
schon in den Worten der letzten Ausführungen, daß diese Er— 
scheinungen des Subjektivismus erst langsam völlig zutage treten 
konnten: die ersten Menschenalter der neuen Zeit haben mehr 
Programme von Normen gebracht, als daß diese dem tätigen 
Leben bindend entwachsen wären: und sittliche Vorstellungen, 
wie die der Nationalität, des objektiv Wahren der Natur— 
wissenschaft, des subjektivistisch Christlichen haben erst im 
19. Jahrhundert und auch dann teilweis erst in dessen späterem 
Verlaufe in voller Klarheit eingewirkt. 
Was aber von vornherein feststand, war die bewußt vor⸗ 
getragene oder unbewußt bestehende UÜberzeugung, daß der 
Mensch nunmehr durch Selbstbestimmung ein persönlicher 
Charakter werden müsse. Es war eine Vorstellung, die dem 
Begriffe des Berufes, wie er sich in frühester Ausbildung schon 
seit dem 12. Jahrhundert eingestellt hatte, sofort eine neue 
Wendung, ja einen ganz neuen Inhalt gab. Indem jetzt die 
Arbeit zu einer freien Tätigkeit erhoben wurde und zugleich für 
seden über alle möglichen Gebiete ersprießlichen Wirkens aus— 
dehnbar erschien, fand sich erst eigentlich recht die Berufstreue 
als innerlichstes sittliches Pflichtgefühl ein. Ja mehr. Goethe 
hat einmal die tiefgreifende Bemerkung gemacht: „Wir bilden 
uns nicht, wenn wir das, was in uns liegt, nur mit Leichtig⸗ 
keit und Bequemlichkeit in Bewegung setzen. Jeder Künstler 
wie jeder Mensch ist nur ein einzelnes Wesen und wird nur 
immer auf eine Seite hängen. Deswegen hat der Mensch 
auch das, was seiner Natur entgegengesetzt ist, theoretisch und 
oraktisch, insofern es ihm möglich wird, in sich aufzunehmen.“ 
Was Goethe hier von der Natur der Menschen seiner Zeit 
sagt, gilt erst recht von ihrem Berufe. Der subjektivistische 
Mensch begnügt sich nicht mit dem ihm zunächst eigenen Be— 
rufe, er sucht vielmehr über dessen notwendige Einseitigkeit 
hinaus den Ausgleich einer Beschäftigung freier Wahl. Es ist 
der Ursprung des modernen Dilettantismus, es ist zugleich 
eine der tiefsten Wurzeln auch des modernen Sports, die 
hier zutage tritt. Dilettantismus und Sport ergänzen den
	        
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