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Einleitung.
doch vor allem die Musik die führende Kunst. Was haben sie
nicht eben die großen Dichter dieser Zeit schon unendlich ge⸗
liebt! Von den Denkern aber hat Leibniz bereits mit allem Ent—
zücken von ihr gesprochen, bis sie in späterer Zeit, bei Schopen⸗
hauer z. B., geradezu als wichtiger Bestandteil philosophischer
Spekulation in metaphysische Systeme eingegangen ist. In der
Tat ist sie insofern die subjektivste aller Künste, als sie mehr
als jede andere Phantasietätigkeit nur Symbole von Emp⸗
findungen und Gefühlen schafft, die sich jeder Hörer in sein
Gefühl und seine Empfindungen umzusetzen hat: so daß dem
Genießenden die vollste Fülle seiner Subjektivität erhalten
bleibt, insofern sie aktuell ist und die Umsetzung vornimmt.
Die Dichtung dagegen und selbst die Lyrik gibt menschlichen
Gefühlen doch stets bereits eine unmittelbar und konkret um—
rissene sprachliche Form und prägt also die Empfindung schon
mmer mit stärkerer Bezugnahme auf persönliche Auffassung
aus. Und insofern zwingt sie den Hörer, sich als Subjekt
doch immer bis zu einem gewissen Grade in sie hinein zu
verlieren: entspricht mithin nicht in gleich hohem Grade den
Anforderungen eines strengen seelischen Subjektivismus.
Aber freilich, soweit die Dichtung die Mitwirkung und
gleichsam sekundäre Autorschaft und Schöpferkraft des Ge⸗
nießenden in Anspruch nehmen kann, so weit hat sie das in
dem neuen Zeitalter auch getan, und gerade im Verfolge
dieses Weges besteht seit Mitte des 18. Jahrhunderts ihre
innerste Geschichte. Ein erstes, alsbald entwickeltes Mittel war
es hier, Dichtung überhaupt als Selbsterlebnis zu empfinden.
Damit war nicht bloß ein persönlicher Stil mit dem besten
aller Förderungsmittel zu ihm hin eingeführt; der subjektive
Dichter durfte auch hoffen, bei den subjektiven Bedürfnissen
der Hörer den Anklang zu finden, der das Stehen gleichsam
auf dem gleichen seelischen Resonanzboden verbürgte. Unter
diesen Umftänden ist es denn nicht zu verwundern, wenn man
schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bei den
Asthetikern, z. B. bei Eberhard, tiefgreifende und einsichtsvolle
Bemerkungen über persönlichen Stil und Subjektivismus der