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Einleitung.
noch ein anderes fehlte. Die bildende Kunst bedarf einer ge—
wissen Anzahl fesistehender und allgemeiner bildlicher Vor—
stellungen, Ideenverbindungen, Symbole, um über die äußere
Form hinaus den tieferen seelischen Inhalt einer Zeit zur
Anschauung zu bringen. War nun diese Masse konkreter Hilfs⸗
mittel für eine neue Darstellung der bildenden Kunst selbst erst
um 1800 bereits geschaffen? Keineswegs — um so weniger,
als sich schon das vorhergehende Zeitalter des 16. bis 18. Jahr⸗
hunderts auf diesem Gebiete meist mit Anleihen aus der Antike
beholfen hatte. So schleppte man sich denn mit diesen nirgends
völlig passenden Anleihen zunächst noch mühsam weiter: und
die Gründe, die es veranlassen, daß sich der geistige Gehalt
der bildenden Kunst in jedem neuen Kulturzeitalter verhältnis—
mäßig spät erst voll entwickelt, wirkten hier fort mit doppelter
Gewalt.
Endlich mag ein Drittes auch hier schon angedeutet sein.
Die soziale Fuhrung der neuen Kultur übernahmen zunächst
vornehmlich Kreise des bürgerlichen Mittelstandes: Kreise, die
wirtschaftlich nicht in der Lage waren, das Mäcenat aus—
zubilden, dessen eine sich reich entfaltende bildende Kunst be—
darf, die vielmehr anfangs zumeist der Philosophie und
Dichtung lebten und sich später vor allem der Durchbildung der
höchsten Willensmomente der neuen Kultur, der Begründung
eines subjektivistischen Staates und Rechtes, zuwandten.
Auf dem Gebiete der öffentlichen Sittlichkeit und der
dem Staate und der Gesellschaft gewidmeten Willenstriebe ist
die bei weitem ständigste Eigenschaft des neuen Zeitalters sein
Demokratismus, falls man darunter die allgemeine Neigung
zu gleichartiger öffentlicher Behandlung und Einschätzung der
Individuen versteht. Sehr natürlich; denn eine solche Art
demokratischen Sinnes ist eine der unmittelbarsten Konsequenzen
des Subjektivismus; Individualitäten als Subjekte können nur
mit gleichem Rechte nebeneinanderstehen und werden aus
gleichem Rechte alsbald gleiche Lebensgrundlagen und gleiche
Voraussetzungen mindestens öffentlichen Wirkens zu folgern
und zu fordern bereit sein.