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Einleitung.
hellenische Renaissance genannt hat, von etwa 1720 bis 1880.
Diese Renaissance ist bekanntlich dem Rationalismus und dem
Frühsubjektivismus in gleicher Weise eigen gewesen; die
Renaissancebestrebungen begannen noch im Zeitalter der Perücke
und des Zopfes auf der Grundlage älterer Renaissanceformen
ihren Aufschwung zu nehmen, und sie gingen erst lange nach
den Freiheitskriegen einer stärkeren Abschwächung entgegen.
In der Tat konnten auch Rationalismus und Frühsubjektivismus
in gleicher Weise von ihnen zehren. Denn entnahm der Ratio—⸗
nalismus ihrem Einflusse vor allem den Gedanken, daß Kunst
und Dichtung lehr- und lernbar seien vom schlichten Gebrauche
des Gradus ad Parnassum bis zu den Konzeptionen höchster
Phantasie, und begeisterte sich der Frühsubjektivismus ganz
im Gegensatze hierzu an der phantasievollen Ursprünglichkeit
Homers und dem Genius eines Sophokles, so lag doch beiden
Strömungen der Gedanke gleich nahe, im tieferen Fortschritte
der eigenen Kultur sich vor allem auf das Vorbild der Alten
zu stützen, sich von ihnen fördern zu lassen. Und nebensächlich
war es dabei, daß am Ende doch auch für den Subjektivismus
das lehrhafte Element überwog, daß dem unter seinem Ein⸗—
flusse entwickelten Bedürfnisse nach Kunstgesetzen, nach starker
gedanklicher Klarheit, nach bestimmender philosophischer Bildung
schließlich ein Zustand folgte, in dem die Sucht der Vertreter
der Antike, die Poesie über alle Gebiete des Geistes aus—
zudehnen, zu einer pragmatischen Wissenschaft wenigstens des
Geistes, und die Neigung, dieselbe Poesie praktisch zu ver—
werten, zur Rhetorik führte: denn diese Entwicklung gehört
erst dem reifen 19. Jahrhundert und damit einer Zeit an, in
der auch der allgemeine mystische Charakter der Frühzeit des
Subjektivismus einer anderen Stimmung, dem Realismus der
dreißiger bis siebziger Jahre, gewichen war.
Eines aber ergibt sich doch auch aus diesen Zusammen—
hängen: die sekundären Gegensätze, wie sie soeben nur kurz
geschildert sind, während sie sich den beiden ersten Abschnitten
dieser Einleitung leicht in der vollen Breite ihrer Wirkung
entnehmen lassen, bargen in sich auch schon ein grundsätzliches,