Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
Und wem tönen nicht andere Laute verwandter Landschaft 
nach, wenn er die Verse hört: 
Wie erhellt des Winters werdender Tag 
Sanft den See! Glänzenden Reif, Sternen gleich, 
Streute die Nacht über ihn aus. 
Wie schweigt um uns das weiße Gefild! 
Wie ertönt vom jungen Froste die Bahn! 
Nie aber erhebt sich der Dichter reiner in die Gefilde 
lyrisch-landschaftlicher Schilderung, als wenn er die Nacht singt 
mit ihrer auflösenden berückenden Dämmerung: 
Willkommen, o silberner Mond, 
Schöner, stiller Gefährt' der Nacht! 
Du entfliehst? Eile nicht, bleib', Gedankenfreund! 
Sehet. er bleibt, das Gewölk wallte nur hin. 
Aber auch die Akzente einer Lyrik, die schärfer dem Sinnen— 
fälligen naherückt, stehen ihm zur Verfügung; so in der 
Schilderung des Tanzes: 
Wenn die schnell're Musik in die Versammlung sich 
Ungestümer ergießt, Flügel der Tänzer hat, 
Und das wildere Mädchen 
Feuervoller vorüberrauscht! 
Und wie greifbar erst steht in der prächtigen Ode, welche 
vom Wettkampf der deutschen und der britannischen Muse um 
das hohe Ziel dichterischer Vollendung erzählt, die deutsche 
Muse vor uns, wenn sie zum Laufe ausholt: 
Schon hielt sie mühsam in der empörten Brust 
Den engen Atem, hing schon vorgebeugt 
Dem Ziele zu; schon hub der Herold 
Ihr die Drommet', und ihr trunkner Blick schwamm. 
Aber der Dichter, der so sinnfälliger Ausgestaltung des 
Sichtbaren fähig ist, blieb doch der Hauptsache nach Stimmungs— 
dichter; nicht eigentlich das Anschauliche bewegt ihn, sondern 
Munterkeit unendlich unterscheidet“ (zit. Hettner, Literaturgesch.', 3. 1, 
345—6).
	        
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