Full text: Finanzwissenschaft

F. V. Abschnitt. Kriegssteuern und Steuerpolitik nach dem Weltkriege. 523 
mancher Seite mit Zufriedenheit darauf hingewiesen wurde, daß 
diese Leistungsfähigkeit mit den kolossalen Verschiebungen im Ein- 
kommen und Vermögen bzw. den entstandenen großen Einkommen 
und Vermögen zusammenhängen, so möchten wir diesem Umstande 
kein zu großes (Jewicht beilegen, da doch — die Richtigkeit der 
Beobachtung vorausgesetzt — dies keinen Ersatz bot für das Hin- 
siechen ganzer Schichten der Bevölkerung, deren Steuerfähigkeit 
an der Wurzel angegriffen, ja, sagen wir es gerade heraus, ver- 
nichtet wurde. 
In der ersten Zeit des Weltkrieges ist natürlich infolge der 
durch den Krieg verursachten Störungen im wirtschaftlichen Leben 
überall eine Abnahme mancher staatlicher Einnahmen zu konstatieren 
gewesen. So teilt J&ze?) für Frankreich folgende Daten mit: Bei 
den direkten Steuern zeigt sich für das Jahr 1914 im Verhältnis 
zur Vorschreibung eine Abnahme von 108,6 Millionen Francs, im 
Verhältnis zum Jahre 1913 von 139,0 Millionen Francs. Bei den 
indirekten Steuern zeigt sich im Verhältnis zum Jahre 1913 eine 
Abnahme von 657,9 Millionen Francs, was 16 Prozent gleichkommt. 
Insgesamt ergibt sich gegen 1913 eine Abnahme von 797,0 Mil- 
lionen Francs. Noch deutlicher zeigt sich der Einfluß des Krieges, 
wenn wir nicht das ganze Jahr, sondern bloß die Kriegsmonate 
mit denselben Monaten des Vorjahres vergleichen. So zeigt sich 
bei Gebühren, Stempel und Domänen (außer Forsten) eine Abnahme 
im August von 55 Prozent 
„ September von 62 » 
„ Oktober von ” 37 nn 
„ November von 63 H 
„ Dezember von 56 Y 
Bei den Verzehrungssteuern zeigt sich eine Abnahme von durch- 
schnittlich 34 Prozent. Sie ist am höchsten beim Bier (76 Prozent), 
am geringsten bei Tabak und Zündhölzchen (16 Prozent). Aber 
schon in den ersten Monaten des Jahres 1915 nahmen die Diffe- 
renzen ab. Für England hat Lloyd George die Minder- 
einnahme während der ersten fünf Monate auf 113 Millionen £ 
veranschlagt ©). Für Deutschland konstatiert Schwarz®) gleich- 
falls Abnahme der Steuereingänge. 
Dieser Erscheinung gegenüber muß aber darauf hingewiesen 
werden, daß sich fast überall bald eine Erhöhung eingestellt hat. 
Ganz abgesehen von der Einführung neuer Steuern und der Er- 
; 1) Finances de guerre de la France, S. 39. 
?) Jeze, Finances de guerre de l’Angleterre, S. 26. 
016 7 De Finanzen der europäischen Staaten usw. (Schanz, Finanzarchiv
	        
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