Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
licher Triebe, als deren Typus Papageno erscheint; die Welt 
der Vernunftreligion die Weisen dieser Erde, wie sie sich um 
Sarastro als Typus gesammelt haben. Aber die Welt der 
Vernunft schreitet vorwärts; und wir sehen, wie sie das Reich 
der Mythologie besiegt und stürzt, indem sie in Pamina, der 
Tochter der Königin der Nacht, eine Braut heranzieht, die 
eines künftigen Vernunftherrschers unter den Menschen würdig 
sein wird, und in Tamino, dem Prinzen eines menschlichen 
Furstenhauses, einen solchen Vernunftherrscher findet: worauf 
beide, Tamino und Pamina, durch allerlei läuternde und 
stählende Gefahren hindurch zusammengeführt werden, auf daß 
sie ein weises und tugendsames Herrscherpaar seien des auf⸗ 
zuklärenden Erdballs. Ja selbst Papageno wird von diesen 
Fortschritten der Vernunftreligion und der rationalen Tugend 
wenn auch weniger eingenommen als betroffen: seine un— 
geordneten Triebe werden zärtlicher und sanfter im Hinblicke 
auf die Ehe mit einer gleichgesinnten Genossin und die aus 
dieser zu erhoffenden lieben „Kinderlein“. 
Ein solcher Triumphgesang der siegenden Vernunft wäre 
für eine Oper an sich wenig brauchbar gewesen, hätte nicht 
der Librettist, der in vieler Hinsicht doch wohl Schikaneder ge⸗ 
wesen ist, durch tausend Mittel für liebenswürdige Erregung 
und sich überbietende theatralische Effekte gesorgt. Ist er 
sicherlich kein Dichter im hohen Stil gewesen, so war er doch 
zewiß ein geschickter, auch poetischen Verständnisses nicht barer 
Handlungs- und Verwandlungskunstler. Mozart aber wurde 
es so noch am Schlusse seines Lebens gegeben, mächtigste Zeit— 
zedanken mit dem Gewande einer unsterblichen Musik zu um— 
kleiden. Keine Handhabe bald ernster bald heiterer musikalischer 
Ausprägung entging ihm dabei; stimmungsvolle Abwechslung 
täuscht über alle Mängel des Textes hinweg; die musikalische 
Charakteristik der Personen, soweit sie folgerichtiger gezeichnet 
sind, gelingt trefflich; Papageno und Papagena, Sarastro 
und Tamino, allenfalls auch noch die Königin der Nacht 
leben; und wo der Text keinerlei charakteristische Durchbildung 
gestattet, da tritt, wie bei den drei Damen und ven drei
	        
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