Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 101 
berufe widmeten, die Vorgänger der Gymnafiallehrer von 
heute, so konnte die Volksschule auf eine so günstige und ein⸗ 
heitliche Rekrutierung ihrer Schulmeister noch nicht rechnen. Was 
drängte sich nicht damals alles in den Schulberuf! Deklassiierte, 
gelehrtes Proletariat, verlotterte Studenten, Invaliden und, 
soweit der Beruf als Nebenberuf angesehen wurde, alles sitzende 
Handwerk: Schuster, Schneider, Handschuhmacher! Gewiß stan⸗ 
den daneben, namentlich in den Städten, auch Schulmeister von 
Beruf: allein von einem wirklichen Stande oder gar Standes⸗ 
bewußtsein der Pädagogen war noch nicht zu sprechen. Das 
wurde auch schon durch die Besoldungsverhältnisse unmöglich 
gemacht. Denn an nicht wenigen Orten rechnete man für 
die Erhaltung der Schule noch auf die christliche und die 
gemeine Mildtätigkeit, und auskömmliche Gehälter waren selten. 
Konnte man da Begeisterung der Eltern und der Kinder für 
den Unterricht erwarten? Wurde auf ein Recht, zur Schule 
zu gehen, Gewicht gelegt? Nicht einmal die Schulpflicht war 
allgemein ins Auge gefaßt oder gar anerkannt, wenn auch von 
den Kanzeln herab ein moralischer Druck auf die Eltern aus⸗ 
geübt wurde, die Kinder zur Schule zu schicken. Und auf dem 
platten Lande mußte man sich zufrieden geben, wenn auf all 
das hin eine Winterschule zustande kam; von einer Sommer— 
schule war gemeinhin nicht die Rede. 
Natürlich war damit auch der Schulunterricht als solcher 
gerichtet. Charakteristisch ist für ihn, daß auch in besseren 
Schulen ein Lehrer der Regel nach mehrere Klassen oder Cöten 
zugleich beaufsichtigte, sowie daß eine Ergänzung der Lehr⸗ 
kräfte in der Weise durchgeführt wurde, daß begabte Schüler 
unter Aufsicht eines Lehrers den einzelnen Cöten vorstanden. 
Von einer festen Lehrmethode der Elementarschule oder gar 
einer in der Praxis sicher wirkenden Theorie einer solchen 
Methode konnte da natürlich nicht die Rede sein. Dafür 
bestand eine läßliche Aufsicht der Pfarrer, und die Schule galt 
noch durchaus als kirchliche Einrichtung. 
Was bei dieser allgemeinen Lage besten Falles und an bevor— 
zugter Stelle geleistet wurde, mögen einige Notizen aus der Ge—
	        
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