Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 151
Frankreich! Nachdem sich Osterreich und Preußen am 7. Februar
1792 noch einmal enger verbunden und die Seemächte, Ruß—
land und Sachsen zum Beitritte zu ihrem Bunde aufgefordert
hatten, ohne sonst viel zu leisten, wurde Ludwig XVI. im
März 1792 gezwungen, ein girondistisches Ministerium mit
Dumouriez an der Spitze zu berufen: und am 20. April blieb
ihm nichts übrig als, wiederum gezwungen, Tränen im Auge,
m Sinne dieses Ministeriums und im Sinne der Volksvertretung
den Krieg gegen sterreich zu erklären. Dumouriez glaubte dabei,
Ssterreich in seinen belgischen Besitzungen sicher und schwer
treffen zu können. In der Tat hatten sich die südniederlän⸗
dischen Provinzen schon längst gegen Hsterreich erhoben. Wenn
man aber in Paris für sie auf eine revolutionäre Gesinnung
gleich der französischen gerechnet hatte, so sah man sich doch
getäuscht. In der belgischen Revolution waren klerikale und
siberale Elemente, und nicht zum geringsten klerikale, neben⸗
einander gegangen; viel mehr gegen den Imperialismus
Josephs II. als gegen die milde Auffassung Kaiser Leopolds II.,
die für Belgien einen gemäßigten Konstitutionalismus wohl
zuließ, hatten sie sich gewandt. So machte die Propaganda
der französischen Republik in Belgien keine Fortschritte; die
Osterreicher blieben im Lande, und die Truppen der Republik
liefen vor ihren Bataillonen kläglich auseinander. Es waren
Vorgänge, welche die deutschen Verbündeten — denn mit der
französischen Kriegserklärung gegen sterreich war der Kriegs⸗
fall auch für Preußen eingetreten — zu einer groben Unter⸗
schätzung der militärischen Fähigkeiten der Republikaner ver—
anlaßten.
Der Krieg, in den auch das Reich, England, Holland,
Spanien sowie Sardinien eintraten, begann eigentlich erst im
Herbst 1792, nachdem ein Manifest des deutschen Oberbefehls⸗
habers, des Herzogs von Braunschweig, das voll der schlimmsten
lngeschicklichteiten war, die Franzosen nochmals in sinnloser
Weise gereigt hatte. Der Herzog ging im August über die
französische Grenze, nahm Longwy und Verdun, erlebte aber
keineswegs die erwartete Erhebung Frankreichs zu gunsten des