Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 155 
einem allgemeinen Frieden das linke Rheinufer behielte, Preußen 
eine Entschädigung für seine Besitzungen auf diesem Ufer ver— 
sprach; zugleich wurde für den Fall solcher Entschädigungen 
wie für Kompensationen überhaupt wenn auch nicht mit aus⸗ 
drücklichen Worten die Sätkularisation geistlicher Staaten vor— 
gesehen: eine erste Aussicht auf die territoriale Revolution 
Deutschlands, die der Reichsdeputationshauptschluß bringen 
sollte, war eröffnet. 
Und dies alles, damit für Norddeutschland und die Main— 
gegenden ein philisterhaftes Sicherheitsgefühl entstände, dessen 
Entwicklung sich im Jahre 1806 bitter gerächt hat. 
sterreich hatte nun die Sache der Koalition allein weiter 
zu führen. Natürlich wurde es damit zur Hauptzielscheibe der 
französischen Angriffe; im Jahre 1796, wie schon 1795, suchten 
die Franzosen es zu beiden Seiten der Alpen, in Süddeutschland 
und in Oberitalien, zugleich zu treffen. In Süddeutschland ohne 
Erfolg: hier siegte schließlich Erzherzog Karl; und noch lange 
haben die Süddeutschen die tapferen und frohen Tage der 
Schlachten bei Teining, Amberg und Würzburg (September 
1796) nicht vergessen. In Italien dagegen entschied das 
unerhörte Glück und Genie Napoleons den Krieg zu gunsten 
Frankreichs: den Siegen von Millesimo, Mondovi und Arcole 
entsprach die Proklamation der Zisalpinischen und der Liguri⸗ 
schen Republik; und sterreich mußte den Frieden von Campo— 
Formio schließen (17. Oktober 1797). 
Dieser Friede begründete für Frankreich das durchschlagende 
Ansehen und bald die Weltmacht Napoleons; für Deutschland 
bedeutete er die Ratifikation des Baseler Friedens und darüber 
hinaus noch mehr durch die andere ostdeutsche Großmacht. In den 
offentlichen Artikeln wurden zunächst, unter Konkurrenz eines 
Geheimartikels, in dem der Kaiser auf alle Rechte des Römischen 
Reiches deutscher Nation in Italien verzichtete, die italienischen 
Verhältnisse geordnet: Oberitalien östlich einer Linie von der 
Brennerstraße und dem Gardasee bis zur Pomündung wurde 
österreichisch, das Land westlich davon verfiel der Zisalpi— 
nischen Republik oder blieb zur Disposition Napoleons. Auf
	        
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