156 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
deutschem Boden sollte der Herzog von Modena durch das
Hauptstück des vorderösterreichischen Besitzes am Oberrhein,
durch den Breisgau, entschädigt werden; außerdem trat Öster—
reich Belgien ab. Es war der Verzicht auf den österreichischen
Schutzberuf am Ober- wie am Niederrhein und der Anfaug
eines Versuches, dem Staate ein weiteres Expansionsgebiet an
der Adria zu verschaffen. Ebenso deutlich, wenn nicht deutlicher
noch treten die Linien dieser neuen Konzeption in den Geheim—
artikeln hervor. Da gab sterreich zunächst den Rest feiner
vorderösterreichisch-linksrheinischen Besitzungen an Frankreich
ab und erstrebte mit dessen Hilfe eine Kompensation im Salz⸗
burgischen und im ostbayrischen Alpenland. Vor allem aber
legte Osterreich die Grundlinien einer Neuordnung der deutschen
Dinge so fest, daß klar war, wie es sich nicht mehr im alten
Sinne als Vormacht des Reiches auch nur im Süden be—
trachtete. Da sollte das linke Rheinufer von Basel bis
Andernach an Frankreich fallen; die nördlich dieser Linie auf
dem linken Rheinufer liegenden Besitzungen Preußens sollten
diesem eventuell zurückgegeben werden, doch wurde Preußen
für sie nicht rechts des Rheins entschädigt; und weitere Er—
werbungen Preußens auf dem linksrheinischen Gebiete sollten
verpönt sein. Die durch alle diese Schiebungen betroffenen
deutschen Reichsfürsten des linken Rheinufers einschließlich der
holländischen Oranier sollten rechts des Rheins entschädigt
werden: was nur bei umfassenden Säkularisationen ausführbar
erschien. Die endgültige Neuordnung des verstümmelten
Deutschlands aber war, nach einem öffentlichen Artikel des
Friedens, einem besonderen Kongresse in Rastatt vorbehalten.
Über das Ergebnis, mit welchem der Erste Koalitionskrieg
abschloß, war hiernach ein Zweifel nicht möglich. Das alte
Deutsche Reich, dessen Herzader der Rhein gewesen war, bestand
nicht mehr; beide führenden deutschen Mächte hatten die links—
rheinischen Lande aufgegeben; dazu waren auch alle alten
Rechte in Italien verloren gegangen. Zwischen den beiden
deutschen Mächten aber, deren Verhältnis schon durch den Frieden
pon Basel gründlich gestört worden war, war ein kaum mehr