Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

194 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
Konnte da der Rheinbund widerstehen, selbst wenn er es 
etwa gewagt hätte? Willig stellten seine Fürsten ihre Kon— 
tingente zur Bändigung der nordischen Macht. 
Die Preußen waren von Norden her das Flußgebiet der 
Saale hinauf bis Saalfeld gedrungen. In Saalfeld, in 
rinem durch den Prinzen Louis Ferdinand unbesonnen be— 
zgonnenen Reitergefechte, wurden sie, am 10. Oktober 1806, 
zum ersten Male besiegt; Louis Ferdinand fiel. Vier Tage 
darauf erfolgte, bei Jena und Auerstädt, die Katastrophe. 
Nicht einfach verlief die Schlacht, deren Leiter auf französischer 
Seite Davoust und Napoleon waren; mancher Vorteil im 
einzelnen hätte gewonnen, eine große Anzaähl schwerer Folgen 
abgewendet werden können, hätte das preußische Heer auch nur 
einen Teil der Zähigkeit und Ausdauer, der Ruhe in günstigen 
Momenten und der Opferfreudigkeit im Unglücke gezeigt, welche 
die Volksheere der Jahre 1818 und 1815 auszeichneten. Nichts 
von alledem. Kopflos floh man aus der Schlacht in ver⸗ 
schiedenen Richtungen, nur nicht in der einzig richtigen, auf 
Berlin zu; das Gros der geschlagenen Armee, soweit von einem 
solchen zu sprechen war, schlug den Weg nach Magdeburg ein. 
War demnach mehr zu erwarten, als daß die einzelnen Ab—⸗ 
teilungen, wo sie noch leidlich zusammengehalten worden waren, 
vom Feinde einzeln aufgesucht und vernichtet wurden? In 
trauriger Form, nicht ohne auch noch vorher hinters Licht ge— 
führt zu sein, kapitulierte der Fürst von Hohenlohe mit seinen 
Truppen bei Prenzlau, am 28. Oktober. Am besten hielt sich 
Blücher, der sich auf Lübeck zurückzog; schließlich mußte auch 
er kapitulieren, bei Ratkau, am 7. November. 
Mittlerweile aber hatte Napoleon schon am 15. Oktober 
den preußischen Provinzen diesseits der Weichsel eine Kon⸗ 
tribution von 159 Millionen Frank auferlegt; hatte er acht Tage 
nach der Schlacht alle preußischen Lande westlich der Elbe, 
ferner die oranischen Lande und Kurhessen vorläufig dem franzö⸗— 
sischen Kaiserreiche einverleibt, hatte er endlich mit Sachsen 
zu verhandeln begonnen und war, am 27. Oktober, in der 
preußischen Hauptstadt eingetroffen. Es war der Moment, in
	        
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