Viertes Kapitel.
Die FJreiheitskriege: 1809, 1813.
Goethe hat in der „Farbenlehre“! das 18. Jahrhundert
einmal einseitig, aber in dieser⸗Einseitigkeit vortrefflich mit den
Worten charakterisiert: „Man kann es ... das selbstkluge
nennen, indem es sich auf eine gewisse klare Verständigkeit sehr
iel einbildete und alles nach einem einmal gegebenen Maß⸗
ttabe abzumessen sich gewöhnte. Zweifelsucht und entscheiden⸗
des Absprechen wechselten miteinander ab, um eine und die⸗
selbe Wirkung hervorzubringen: eine dünkelhafte Selbstgenügsam—
keit und ein Ablehnen alles dessen, was sich nicht sogleich er⸗
reichen noch überschauen ließ. Wo findet sich Ehrfurcht für
hohe, unerreichbare Forderungen? Wo das Gefühl für einen
in unergründliche Tiefe sich senkenden Ernst? Wie selten ist
die Nachsicht gegen kühnes, heißhungeres Bestreben! Wie selten
die Geduld gegen den langsam Werdenden!“
Gewiß waren das an erster Stelle die Eigenschaften der
Aufklärung. Aber auf den Gebieten, welche die neue, zunächst
vornehmlich geistige und künstlerische Entwicklung des Subjek⸗
tivismus nicht beherrschte, sondern nur streifte, erhielt sich eine
verwandte Haltung bis zum Schlusse des 18. Jahrhunderts
uͤnd darüber hinaus. Was fehlte, war das Pathos, die tiefe
mWerke (Weimar. Ausg.) II, 3, 240.