18 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
über die Heidelberger Reformierten im Jahre 1720 seine
Residenz nach Mannheim verlegt. Und nun begann in dem
elenden kleinen Landstädtchen, das eben aus den Trümmern
französischer Zerstörung wieder erstanden war, ein Planen,
Abstecken, Bauen, wie es dem Herrscher eines großen Reiches
kaum geziemt hätte: und was Karl Philipp darin tat, das
wurde bei weitem noch durch Karl Theodor übertroffen, der ihm
im Jahre 1748 folgte. „Der Riesenbau des Residenzschlosses
wurde zum beherrschenden Mittelpunkte der Stadt, deren
schnurgerade Längsstraßen dort zusammentrafen und, von
anderen durchquert, den Stadtplan in regelmäßige Vierecke
zerlegten. Großartige Bauten, eine Jesuitenkirche, ein Kauf⸗
und ein Zeughaus, erhoben sich; allerlei künstlerische und ge—
lehrte Sammlungen und Anstalten, eine Zeichnungs- und
Bildhauerakademie, ein Kupferstich- und ein Antikenkabinett,
eine Bibliothek und eine Naturaliensammlung legten Zeugnis
dafür ab, daß auch Karl Theodor, der Freund und Schüler
der Jesuiten und Voltaires, seinen Thron mit dem Glanz der
aultur zu umgeben wußte. Natürlich durfte auch ein pracht⸗
volles Haus für italienische Opern und französische Komödien
nicht fehlen. Französisch durch und durch waren Bildung und
Neigung des Herrschers, französisch Sprache und Kultur der
vornehmen Pfälzer; mehr als ein anderes deutsches Land war
ja die Pfalz durch ihre Nachbarschaft solchen Einflüssen aus⸗
gesetzt.“ Noch 1773 fand Schubart, daß man die Pfälzer
jebenso leicht für eine Kolonie von Franzosen, als von
deutschen Provinzialen halten könnte“. Und neben dem Glanz
des Friedens fehlte in der Pfalz auch der des Krieges nicht.
Karl Theodor hielt ein Heer von funftausendfünfhundert
Mann, dazu nach dem Staatskalender des Jahres 1767 einen
Generalfeldmarschall, einen Generalfeldzeugmeister, neun General⸗
leutnants, zehn Generalmajore — der anderen Chargen nicht
zu gedenken. Auf eine Kompagnie nach heutiger Zählung, auf
200 bis 300 Mann also ein General: diese Tatsache allein
bedeutete die richtige Kritik dieser Duodezkultur noch dazu
meist ausländischen Anstrichs.