Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

352 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
dem Wege dahin wurde er aber von den inzwischen auf direk— 
terem Wege dem Wiener Becken zueilenden Truppen der 
französisch-italienischen Armee bei Raab erfaßt und am 14. Juni 
in eine Schlacht verwickelt, die mit seiner Niederlage endete; 
Raab selbst mußte am 24. Juni kapitulieren. Was darnach 
von der innerösterreichischen Armee noch übrig blieb, nicht eben 
sehr zuverlässige Truppen und nicht mehr noch als 15000 
Mann, wurde zur Verteidigung des Preßburger Brückenkopfes 
verwendet und hat hier den Angriffen der Franzosen erfolg⸗ 
reichen Widerstand geleistet. 
Im ganzen aber war damit allerdings eine Konzen— 
tration auch der österreichischen Streitkräfte im Wiener Becken 
und in dessen Nähe erreicht, der gegenüber exzentrische Be— 
wegungen kaum noch in Betracht kommen konnten, wie sie 
namentlich in Polen in Kämpfen verschiedenartigen Ausgangs 
zwischen Russen und Osterreichern erfolgten: die Entscheidung 
mußte in und um Wien fallen. Und hier fiel sie zu ungunsten 
Osterreichs! 
Dem Erzherzog Karl fehlte trotz Aspern, ja man möchte 
fast sagen, erst recht seit Aspern die Zuversicht des Sieges. 
Er hielt dafür, daß man mit Napoleon unterhandeln müsse, 
und daß dieser zu unterhandeln bereit sei, und ließ ihm dem⸗ 
gemäß die kostbarste Zeit zum Retablissement seiner hart mit— 
genommenen Truppen und zur Heranziehung der noch ver— 
fügbaren Kräfte — während Kaiser Franz und seine Berater 
Friedensanträge Napoleons so lange zurückwiesen, bis dieser 
ihrer nicht mehr bedurfte. Unter diesem Hin und Her verging 
der Juni. In der Nacht vom 80. Juni zum 1. Juli aber begann 
Napoleon an einer ganz anderen Stelle, als Karl erwartet 
hatte, den Übergang seiner Truppen über die Donau auf das 
Marchfeld, die alte Kampfesebene des deutschen Südostens, zu 
bewerkstelligen. Karl wich demgegenüber an der Donau zurück 
und nahm weiter zurück im Marchfeld, bei Wagram, eine Ver⸗ 
teidigungsstellung. Und hier wurde er nun, nach einem ersten 
günstig verlaufenden Schlachttage, am 6. Juli von Napoleon 
vollständig geschlagen. Dabei wurde es dem Erzherzog Johann
	        
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