Die Freiheitskriege: 1809, 1813. 398
Initiative der Russen, wieder stärker entbrannt und hatte sich
mit den heldenhaften Unabhängigkeitsbestrebungen der Serben
unter dem schwarzen Georg derart verschmolzen, daß eine
dauernde Ausdehnung des russischen Einflusses rechts der
Donau wahrscheinlich erschien. In diesem Momente stellten
sich dann freilich die alten Nebenbuhlerpraktiken Österreichs
ein, das sich mindestens den Weg nach Novibazar und Saloniki
offen halten wollte; aber anderseits bedrohten den Sultan, der
sich unter diesen Umständen vielleicht gern auf Österreich und
vor allem auch auf die Macht Napoleons gestützt hätte, die
Engländer, indem sie von der Forcierung der Dardanellen
und der Beschießung Konstantinopels zu sprechen begannen.
Es war eine jener Konkurrenzen europäischer Mächte um den
Einfluß am Bosporus, deren schon das 18. Jahrhundert so
manche gesehen hatte und deren das 19. Jahrhundert noch weit
mehr erleben sollte. Die verwickelte Lage wurde von Ruß—
land dazu benutzt, um zu einem immer noch leidlichen Frieden
zu gelangen: der Zar verzichtete auf die Donaufürstentümer
und behielt nur die auf dem linken Ufer des Pruth gelegeneu
Gebiete der Moldau.
Die Verträge mit Schweden und mit der Türkei hatten
auf diese Weise im Eingange zum Sommer des Jahres 1812
dem Zarenreiche die Flanken gesichert. Wie aber stand es in
Deutschland, dem Zentrum, der Frontseite des Angriffs?
Hier war von den Rheinbundstaaten natürlich nichts zu
erhoffen. Nichts auch von Preußen. Es hatte mit Napoleon
den schmählichen Vertrag vom 24. Februar 1812 geschlossen,
dessen Inhalt wir schon kennen!. Aber Österreich? Das Haus
Habsburg, unter der Führung Metternichs, begann kurzsichtig
nur an sich, nicht mehr an Deutschland zu denken. Von diesem
Standpunkte aus aber war es vor allem wichtig, daß die
Möglichkeiten einer Entwicklung nach Südosten, in die Balkan—
halbinsel hinein, gewahrt blieben. Die Fortschritte Rußlands
im Türkenkriege, von denen wir soeben hörten, waren daher
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