Die Freiheitskriege: 1809, 1815.
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zurück, indem er es Macdonald überließ, mit einer detachierten
Armee Blücher weiter zu beschäftigen und am Bober eine
Stellung derart zu nehmen, daß die schlesische Armee weder
mit der böhmischen noch mit der Nordarmee Fühlung gewinnen
oder gar zu einer von ihnen abmarschieren könne. Macdonald
glaubte diese Aufgabe am besten durch einen Marsch nach
Jauer lösen zu können. Aber auf dem Wege dahin wurde er
an der Katzbach von der schlesischen Armee gefaßt, am
26. August. Und nun entspann sich jene Summe wütender
Einzelgefechte, die man als Schlacht an der Kastzbach zu⸗
sammenfaßt. Und wieder waren es die Preußen, die den
Charakter des Kampfes bestimmten. „Das Feuer .. schwieg
gegen Ende des Tages ganz, bis wir durch den durchweichten
Boden wieder Geschütz herbeirufen konnten. Nur das Geschrei
der Streitenden erfüllte die Luft; die blanke Waffe entschied.“
(Gneisenau.) Nach den Mühen des Kampfes aber nahm
Blücher eine wütende Verfolgung auf, in die auch die Land—
stürme der Gegend hineingezogen wurden, und die sich noch
fast über die vollen nächsten vier Tage erstreckte. Dann mußte
man freilich innehalten. Aber Schlesien war vom Feinde befreit;
die Armee hatte trotz aller Verluste die Feuertaufe herrlich
bestanden; sie wuchs unter Blücher zum machtvollsten Werkzeug
der künftigen Kriegführung heran: und mit schwärmerischer
Verehrung hing sie an ihrem greisen Führer, dem nimmer
rastenden, in dem eine Jünglingsseele schlug: der sich an der
Katzbach kaum davon hatte abhalten lassen, selbst mit Attacke
zu reiten.
Als Gesamtresultat der bisherigen Kämpfe ergab sich,
daß sich Napoleon durch die Heldentaten der Preußen in der
Nordarmee und in der schlesischen Armee auf Dresden zurück⸗
gedrängt sah.
Inzwischen hatte sich aber auch die böhmische Hauptarmee
zu rühren begonnen. In vier Kolonnen hatte sie am
22. August die von Böhmen her steil aufsteigenden Höhen des
Erzgebirges erreicht, in Richtungen, die bestimmt waren, sie in
Leipzig zusammenzuführen, wo man Napoleon vermutete.
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