Die Freiheitskriege: 1809, 1815.
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niemand von den verbündeten Mächten dachte an die An⸗
liegen der Nation, deren stammelnde Bitte die Verse der
Romantik durchtönt. Wohl aber wurde Blücher mit der
schlefischen Armee, die den Spuren Napoleons durch Thüringen
und Hessen noch am eifrigsten folgte, von Gießen aus statt auf
den Rückzugsweg Napoleons nach Frankfurt vielmehr den Seiten⸗
weg in das Lahntal hinein auf Koblenz dirigiert: damit der
hinterher kommende Kaiser Franz mit der Großen Armee zu⸗
erst in die Uralte Kaiserliche Krönungsstadt Frankfurt ein⸗
zuziehen imstande sei.
Nur Bülow zog in rasendem Siegeszuge durch Nordwest⸗
deutschland bis Holland, ein preußischer General, und fand
Widerstand erst vor Antwerpen, das Carnot, der Republikaner,
oerteidigte.
Im ganzen war das natürlich so recht ein Verlauf nach
dem Herzen etwa Bernadottes. Und wirklich! Am klügsten,
ja am schlausten handelte der schwedische Kronprinz. Er machte
mit einem großen Teile der Nordarmee eine Rechtsschwenkung,
fiel in Holflein ein, zwang Dänemark zum Kieler Frieden vom
14. Januar 1814 und steckte endlich das ersehnte Norwegen
ein — während Dänemark für diesen Verlust mit deutschen
dändern, dem bisherigen Besitze Schwedens. Vorpommern und
Rügen, entschädigt wurde.
Da mochte man denn wohl Freudenfeuer auf den höchsten
Gipfeln deutscher Berge anzünden und Lieder auf die Leipziger
Schlacht dichten:
Nimm Gottes Lohn! habe Dank, Gesell!
Das war ein Klang, der das Herz erfreut!
Das klang wie himmlische Zimbeln hell,“
Hab' Dank der Mär' von dem blutigen Streit!
daß Witwen und Bräute die Toten klagen,
Wir singen noch fröhlich in spätesten Tagen
Die Leipziger Schlacht: — —
(E. M. Arndt.)
der Nation ward der Lohn der Kampfesnot mit nichten,
den fie erwarten durfte. Ja: — an den Grenzen deutschen