Die Frühromantik.
so
Form aus ihm selber her zu gestalten; man suchte statt dessen
nach einer fremden Anleitung, einer äußeren Vormundschaft.
Es war ein Vorgang, wie er teilweise ja selbst auf dem viel
lebensfreieren Gebiete der Literatur eingetreten war: und wie
dort, so unterwarf man sich auch hier zunächst der Regelung
der Antike.
War damit aber eine befriedigende Lösung gefunden? Es
ist klax, daß diese schließlich nur aus der Selbstbegrenzung der
neuen Kunst allein aus sich heraus zu einer eben nur ihr
eigentümlichen Freiheit hervorgehen konnte. Was aber jede
andere Lösung besonders störend machte, war der Umstand,
daß bei ihrer praktischen Durchführung schließlich doch nicht
bloß ein fremdes Formenideal in Frage kam, sondern auch noch
Ideale fremden Inhaltes mit in Kauf genommen werden
mußten: daß der jungen Kunst des Subjektivismus nicht bloß
fremde Gebundenheit, sondern auch fremde Objekte der Dar⸗
stellung, beim Klassizismus z. B. die der antiken Welt als
wesentlich mit vermittelt wurden. Das Ergebnis war damit
nicht nur eine nach antiker Form, insbesondere dem Kanon der
Bildnerei geregelte naturalistische Kunst, sondern eine auch
äußerlich möglichst antikisierende künstlerische Produktion.
Und in diesem Zusammenhange lebte denn bis zu einem
gewissen Grade noch immer auch das alte rationalistische
Ideal von der Erlernbarkeit der Kunst fort, wennschon in
abgeschwächter Wirkung: denn jede Kunst mit inhaltlichen,
nicht bloß Formenidealen wird besonders leicht als erlernbar
gelten.
Zugleich aber war damit die Möglichkeit gegeben, daß
nicht bloß die Antike, daß unter Umständen auch eine andere
Kulturgewalt die Gängelung der neuen Kunst übernehmen
konnte. Und sie fand sich nun, wir hörten schon in welchem
Zusammenhange, im Christentum ein, in der ästhetisch beson—
ders hervorragenden Verkörperung desselben, in der katholischen
Kirche, und speziell wieder in deren romantischer Ausprägung.
Die allgemeine Lehre der Romantik von der bildenden Kunst
wich nach alledem im Grunde nicht so sehr von der des Klassizismus