Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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Anzahl von Malern, die in diesem Sinne vornehmlich die 
Gegend zwischen Mainz und Koblenz zum Vorwurf wählten; 
in Bacharach, in Sankt Goar, in Lorch, in Boppard allenfalls 
noch fühlten sie sich heimisch. Daneben entdeckte hier Karl 
Friedrich Lessing in seinen düsteren Eifellandschaften, nach einem 
ersten Aufstieg in dies geologisch so mannigfaltige Bergland 
im Jahre 1832, das eigentliche Mittelgebirge, und mit ihm 
schon das Objekt einer mehr realistischen Schilderung. Doch 
entfaltete sich daheim, auf der Staffelei der Werkstatt, auch 
noch die idealistisch-romantische Landschaft an sich weiter; 
sie hat noch so große Meister gehabt, wie Schirmer, der mit 
seinem „Deutschen Urwald“ im Jahre 1828 zuerst Aufsehen 
erregte, und Franz-Dreber (1822 -1875); und sie hat auf 
späte Klassizisten, wie den älteren Preller, noch bedeutenden 
Einfluß geübt, wie sie auch der Entfaltung des impressionisti— 
schen Frühidealismus in der zweiten Periode des Subjekti— 
vismus Vorschub geleistet hat: Böcklin war, wie Franz-Dreber, 
ein Schüler Schirmers. 
Neben dem Rheintal waren es namentlich die Mittel— 
gebirgspartien des Elbtals in Böhmen und teilweise noch in 
Sachsen, welche die romantischen Maler anzogen: und in der 
Tat haben diese Teile des Elbtals, namentlich in Nordböhmen, 
bei allen Abweichungen manche Ähnlichkeit mit dem Mittelrhein 
zwischen Bingen und Andernach oder Königswinter, ja über— 
treffen ihn an Größe des Landschaftlichen, wenn ihnen auch die 
reichste Romantik einer großen Vergangenheit vielfach fehlt. 
Der größte Meister der Elbromantik war Ludwig Richter 
(1803 - 1884). Auf einem der besten Bilder Richters, der 
Überfahrt über die Elbe am Schreckenstein bei Aussig (1837), 
ist im letzten Abendlicht unter dem schüchternen Erscheinen der 
Mondsichel — im Hintergrund verblauende Berge, mitten im 
Vordergrund der schroff ragende Schreckenstein mit seiner Burg— 
ruine — ein Kahn zu schauen, der auf dem Strome durch 
einen Greis leise von einem Ufer zum andern getrieben wird, 
mit mannigfachen Insassen: einem alten grauen Harfner, der 
in die Saiten schlägt und dem ein Jüngling still erschauernd
	        
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