Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 199 
theorie, wonach das Licht in abgeschleuderten Körperteilchen 
des leuchtenden Gegenstandes bestehen sollte, bereits bedenklich 
ins Wanken zu bringen. Hatte zudem nicht schon im 17. Jahr— 
hundert der große Holländer Huyghens dieser Lehre eine 
Schwingungstheorie gegenübergestellt? Jetzt aber, 176651772, 
führte Euler in den „Briefen an eine deutsche Prinzessin über 
einige Gegenstände der Physik und Philosophie“ aus, daß 
überall ein Mittel von äußerster Feinheit, ein Äther, die 
Zwischenräume zwischen den Körpern fülle, und daß eine Wellen— 
bewegung dieses Äthers von uns als Licht empfunden werde. 
Im Rückstande gegenüber den bisher besprochenen Dis-— 
ziplinen erschienen dagegen Akustik und Wärmelehre. In der 
Akustik konnte die Wirksamkeit Chladnis (17861827) wohl 
als die verhältnismäßig am meisten fördernde bezeichnet werden: 
Chladni stellte die Schwingungszustände von Platten und 
Scheiben in den bekannten Klangfiguren sinnenfällig dar: 
womit die Erscheinungen des Schalls noch sicherer als bisher 
der physikalischen Mechanik eingeordnet erschienen. 
In der Wärmelehre aber galt einstweilen der Hauptsache 
nach noch eine alte, von J. S. Becher vorbereitete, von 
Black aufgestellte, aber auch von Stahl (16601734) schon 
in allen ihren Zusammenhängen entwickelte Theorie, wo— 
nach es ein besonderes Prinzip, das Phlogiston, gebe, dessen 
Wirkung Verbrennung sei: eine letzte theoretische Emana— 
tion der alten Qualitätslehre von den Elementen, von der 
unsere Erzählung bald eingehender zu berichten haben wird. 
Es war eine Vorstellung, wie man sie auch vom Lichte ge— 
habt hatte, und wie sie nicht minder für die als unwägbare 
Flüssigkeiten bezeichneten magnetischen und elektrischen Be— 
wegungen zur Geltung gelangt war. Gegen Ende des 18. Jahr⸗ 
hunderts wurde nun diese Anschauung für die Wärme schon 
sichtbar erschüttert, obwohl sie immerhin eine Erklärung der 
Begriffe der Oxydation und Reduktion, der Verbrennung 
und Wiederherstellung zuließ: der Graf von Rumford, ein 
englischer Günstling des bayrischen Kurfürsten, führte im letzten 
Viertel des 18. Jahrhunderts Experimente aus, mit deren
	        
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