Die Spätromantik.
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Analogiewissenschaft zur Physik, unter Aufnahme der Leit—
motive physikalischer Untersuchung groß geworden. Und im
Grunde hat sie bis tief in die zweite Hälfte des 19. Jahr—
hunderts, wenn nicht darüber hinaus bis zur Gegenwart
noch unter dem überragenden Einfluß physikalischer Denkweisen
gestanden.
Das Eigene aber, das sie zu diesem Anschauen und Denken
ausgesprochenermaßen hinzubrachte, war, spätestens mit der
Entwicklung der mechanischen Naturlehre, die Frage nach dem
stofflichen Wesen der Körper in dem Sinne, daß diese aus
kleinsten Teilchen zusammengesetzt gedacht wurden: die Frage
also nach einer irgendwie gearteten Atomistik.
Spiegelte sich indes nicht an sich schon in der atomistischen
Problemstellung jenes Denken wider, das zunächst auf physikalisch⸗
mechanischem Gebiete entwickelt worden war? Die ersten wissen⸗
schaftlichen Spekulationen der abendländischen Welt über das
Stoffliche der Körper sind keineswegs von atomistischen An—
schauungen ausgegangen. Wenn Thales im Wasser, andere
griechische Naturphilosophen im Feuer, im Geist, im Sein oder
im Werden die Grundprinzipien der Dinge, insbesondere der
Körper gesehen hatten, so war der Gedanke der eines ein—
zigen zugrunde liegenden Stoffes oder einer Kraft, deren
qualitative Umbildungen, gleichsam Verkleidungen und Mas—
kierungen, die Mannigfaltigkeit der Welt ergäben. Und auch noch
die Elementenlehre des Aristoteles war qualitativen Charakters,
wenn auch im Verhältnis zu der älteren Naturphilosophie von
höherer und feinerer Überlegung. Denn auch Aristoteles suchte
noch nach den allgemeinsten Eigenschaften der Körper; und er
fand sie in den Gegensatzpaaren von Warm und Kalt und von
Feucht und Trocken. Aus ihrer Kombination entwickelte er dann
die vier Typen der Grundeigenschaften der Körper, nämlich
kalt und feucht, kalt und trocken, feucht und warm, und trocken
und warm: und stellte als wesentliche Repräsentanten dieser
Typen Wasser, Erde, Luft und Feuer hin. Es waren ihm
und Dutzenden von Geschlechtern nach ihm die vier sogenannten
Elemente: man sieht aber alsbald, daß sie mit dem, was wir