Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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gestalteten gesellschaftlichen und staatlichen Organismus. Ent— 
sprach dem nicht im Bereiche der Natur eine Atomistik, deren 
kleinste Komponenten, wenn nicht unbedingt qualitativ ver— 
schieden, so doch in verschiedener Weise kräftebegabt, und zwar 
mit immanenten Kräften ausgestattet gedacht werden mußten, 
und bei der die Mystik der Fernwirkung durch ein unbedingt 
engstes und nächstes Spiel stetig verteilter, aber auch stetig 
organisierter Energien ersetzt wurde? Und mußten in einer so 
verstandenen Naturwissenschaft nicht neben den anorganischen 
Naturwissenschaften, der eigentlichsten Domäne der mechanischen 
Naturanschauung des individualistischen Zeitalters, die organi— 
schen Disziplinen, die Wissenschaften vom Leben, erhöhte Be— 
deutung gewinnen? 
Eben dies letzte Moment ist mit am frühesten charakte— 
ristisch; wie schon die Mitte des 18. Jahrhunderts, die erste 
Zeit des Subjektivismus, Versuche einer selbständigen, der Ab⸗ 
sicht der Forschung nach von Metaphysik freigehaltenen Psycho— 
logie erlebt hatte!“, so sah sie die erstmaligen Anfänge einer 
wirklichen Physiologie, ja eines biologischen Denkens überhaupt, 
in denen man der Pflanze, dem Tier, dem Menschen als einem 
lebendigen Organismus gerecht zu werden suchte. 
Der Ausgang des Individualismus war auf diesem Ge— 
biete allerdings noch durch das Wirken eines für die Zeit— 
anforderungen in besonderem Maße veranlagten Mannes ge— 
kennzeichnet gewesen, dessen äußere Berufs- und Lebensstellung 
zugleich ein lehrreiches Bild der Rolle darbot, die in der ersten 
Hälfte, ja noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts den orga— 
nischen Naturwissenschaften neben den anorganischen zufiel. 
Karl von Linné (1707 51778), Sohn eines schwedischen Bauern, 
der Nachwelt vornehmlich als Botaniker und Zoologe bekannt, 
war seinem Berufe nach zunächst Arzt; er hat nicht minder 
über die Genera morborum wie über die Genera plantarum 
geschrieben; wie denn auch Haller, der große Physiologe, Zoo— 
loge und Botaniker, berufsmäßig vor allem Mediziner gewesen 
S. Band VIII, 2, S. 309 ff.
	        
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