Die Spätromantik.
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gewählt und vor allem auch bei der Charakteristik von Ent—
wicklungen angewendet. Da nun bei Fichte These, Antithese
und Synthese insbesondere zur Erklärung, wenn nicht Konsti—
tuierung des Ichs dienen, so ist klar, daß bei ihm nach der Auf⸗
fassungsweise unserer Zeit eine dialektisch maskierte Psycho—
gonie oder wenigstens deren Keim vorliegt. Freilich: Fichte
hat diese Psychogonie noch ebenso von Raum und Zeit ab—
strahierend behandelt, wie Goethe im Grunde seine Typen:
und so ist er weit davon entfernt gewesen, die Reihenvorgänge
einer wirklichen Psychogenese etwa genauer zu entwickeln.
Dennoch muß seine Lehre parallel der Goethes als eine primi⸗—
tivste Form späteren wirklich evolutionistischen Denkens auf—
gefaßt werden, denn aufs engste hing es mit dem Denken
Hegels zusammen: dieses aber vergegenwärtigte, wie wir sehen
werden, schon eine höhere Stufe eines wenn auch noch immer
primitiven psychischen Evolutionismus.
Ihre Vollendung erreicht die Naturphilosophie des frühen
subjektivistischen Denkens in Schelling!. Denn bei ihm wird
der Übergang von einer bloß physiologischen oder psychologischen
Betrachtung auf die dynamische Behandlung der anorganischen
Natur vollzogen: womit sich die Erweiterung zu einer vollen
Kosmologie ergibt. Jetzt erscheint der absolute Geist als der
Urgrund alles Seins, und aus ihm ergibt sich der anschau—
liche und der psychische Kosmos auf dem Wege der Entwicklung
durch eine merkwürdige Polarität des Verlaufes: aus einem
Indifferenzpenkte her entfalten sich die Erscheinungen der
Natur durch Reproduktionskraft, Irritabilität und Sensibilität
als Organismen, während unter dem Wirken von Agentien,
die dem Absoluten gleichsam minder nahe stehen, von Magne—
tismus, Elektrizität, Chemismus; von Licht, Klang, Wärme;
von Schwere, Attraktion, Repulsion die Erscheinungen der an—
organischen Welt hervorgehen: in entgegengesetzter Richtung aber
zur Welt der Natur entfalten sich in verwandter, wenn auch von
Schelling nicht genauer durchgeführter Weise die Erscheinungen
S. oben S. 45 ff.