Full text : Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik.

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der Gedanke einmal gefaßt, nicht so sehr durch die hetan—
gebrachten Gesichtspunkte als durch den Stoff selber bedingt
ist, Voraussetzungen schließlich aller Denkmäler geduldiger und
spezifischer Detailarbeit der Alexandriner, Byzantiner, Mauriner,
Bollandisten und so manches Konsortiums modernen Gelehrten⸗
tums, haben etwas Zeitloses an sich; sie stehen wie granitne
Pfeiler in den Strömungen zeitlichen Ablaufs; und nur deren
starke und grundsätzliche Brandungen pflegen sie zu beeinflussen,
zu unterwühlen, zu stürzen.
Indes nicht eben diese Arbeiten waren für die Qualitäts—
erweiterung des geisteswissenschaftlichen Materials charakteristisch.
Hier handelte es sich vielmehr um Einflüsse ganz anderer Art.
Wie oft ist schon davon die Rede gewesen, daß das Zeitalter
des Subjektivismus national und historisch, und auf wissen⸗
schaftlichem Gebiete vor allem historisch wurde; es ist nach all⸗
gemeiner und längst schon vorgetragener Auffassung einer der
bezeichnendsten Unterschiede des subjektivistischen und des vor—⸗
hergehenden Zeitalters des Individualismus: und in einer
ganzen Geschichte seiner Begriffsentwicklung, vom Kurios⸗
Historischen über das Pragmatische zum Genetischen und von
da zum Evolutionistischen, hat er sich bis zur Gegenwart aus⸗
gewirkt.
Indes so wichtig diese Anschauung an sich ist, so wenig
darf man sagen, daß das individualistische Zeitalter so
ganz ohne geschichtliches Verständnis gewesen sei. Schon die
bewußte Abweichung, in der sich der Individualismus gegen—
über der Gebundenheit des Mittelalters nicht bloß bewegte,
sondern geradezu gefiel, erforderte eine gewisse Höhe geschicht—
licher Erfahrung, einen zeitlichen Horizont. Und dieser Horizont
ist im Laufe des 16. bis 18. Jahrhunderts in der Gliederung
der geschichtlichen Vergangenheit in die großen Hauptperioden
des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit ausgebaut
worden.
Richtig ist freilich, daß diese Errungenschaften gegen Schluß
des individualistischen Zeitalters dann derart rationalisiert
wurden, daß das dynamische, energetische Element fast ver⸗
            
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