Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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Gebiete der Geschichtswissenschaft, und das hieß in den Geistes— 
wissenschaften überhaupt, im Grunde unvermittelt zwei Er— 
scheinungen nebeneinander entgegen: die Staatengeschichte mit 
ihrem Aufbau in Motivenreihen und Ideenfolgen, und die 
Kulturgeschichte in ihren Einzelerscheinungen: und höchstens 
durch den gleichen Betrieb der niederen kritischen Methoden 
erschienen die beiden auf dem Boden der gleichen Wissenschaft 
miteinander verbunden. 
War aber damit nicht die Möglichkeit gegeben, sie wenigstens 
in einem philosophischen Systeme ein erstes Mal anzunähern, 
um so mehr, als die höhere Methode der Staatengeschichte mit 
der Ideenlehre unmittelbar in die Gebiete der Metaphysik 
hinüberführte?1 
Es ist der Zusammenhang, in welchem das letzte der 
großen romantischen Philosophiesysteme, dasjenige Hegels, vor⸗ 
nehmlich fruchtbar geworden ist; es war das letzte Stelldich— 
ein zugleich, das sich auf lange hin Wissenschaft und Welt-— 
anschauung unter ausgesprochener Zulassung der Werte der 
letzteren in die Wissenschaft schienen geben zu können: denn 
schon begann die wissenschaftliche Bewegung zu überwiegen, 
während die philosophisch-poetische zurücktrat: Hegels System 
begrenzte die Romantik gegen die sich öffnenden Tore des 
Realismus. 
Hegel, 1770 zu Stuttgart geboren, war früh mit Schelling 
befreundet, dem gleich er auf dem Tübinger theologischen Stifte 
studiert hat. Nach einigen Hauslehrerstellungen von Schelling 
im Jahre 1801 nach Jena gezogen, lehrte er dort mit diesem 
bis zu dessen Abgang im Jahre 1803 in Eintracht und Freund— 
schaft, trennte sich aber schon in der „Phänomenologie des 
Geistes“ vom Jahre 1806 deutlich von ihm. Sein System hat 
er aber eigentlich doch erst in der „Wissenschaft der Logik“, 
seit 1812, und in der „Enzyklopädie der philosophischen Wissen— 
schaften im Grundrisse“, 1817, aufgebaut. Seit 1818 Pro— 
fessor an der Universität in Berlin, wo er 1881 der Cholera 
erlag, hat er von da ab außer einer Rechtsphilosophie wenig 
mehr veröffentlicht, um so mehr aber durch Vorlesungen gewirkt,
	        
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