Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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auf, auf dem wir die Autosuggestion zuletzt kennen gelernt 
haben, so ist augenscheinlich, daß die Sucht, Neues zu er⸗ 
fahren, also das Sensationsbedürfnis im objektiven Sinne, im 
Naturalismus der zweiten Periode wie nicht minder in der 
Gegenwart schon an sich um vieles stärker entwickelt ist als im 
18. Jahrhundert: unsere ganze seelische Konstitution ist, infolge 
ständiger Zufuhr überaus großer Massen von Reizen seit zwei 
Menschenaltern, gleichsam auf deren stetige Aufnahme in dem 
herkömmlichen Übermaße nunmehr eingerichtet: und bedarf daher 
dieses Ubermaßes. Besonders charakteristisch zeigt sich diese 
Entwicklung in ihren Auswüchsen, in der Neugier gegenüber 
dem Schamlosen und dem Ungeschmack oder, wie man es auch 
ausdrücken kann: in der Prostitution der hergebrachten sittlichen 
und ästhetischen Persönlichkeit. Gewiß ist auch die zweite 
Hälfte des 18. Jahrhunderts, wie jede Zeit einer Dissoziation 
älterer Kulturzustände, von Kultur der Fäulnis keineswegs frei 
gewesen; und der Reiz, Häßliches zu sehen, hat schon den Hund 
des Aubry auf die Bühne gebracht. Was bedeutet das aber 
gegenüber den Erscheinungen der Gegenwart: gegenüber der 
gesteigerten sexuellen Perversität, gegenüber der Brutalität in 
der Behandlung sexueller Fragen überhaupt, gegenüber der 
Grausamkeitswollust, gegenüber den Mord- und Selbstmord⸗ 
epidemien! Spezifisch ist dabei noch, daß diese in solchen 
Dingen so rohe Zeit doch zugleich, freilich ebenfalls aus Per⸗ 
versität, nicht aus Verehrung, einen feministischen Zug an— 
genommen hat, wie er freilich auch der zunehmenden Willensauto— 
matie vor allem der Männer verdankt wird. Oder ist vielleicht 
eben in ihm eine der ältesten Erscheinungsformen dleses ganzen 
Stimmungs- und Charakterkomplexes zu sehen? Schon in der 
Romantik scheinen einige Anfänge vorhanden gewesen zu sein, 
wie denn in ihr zugleich auch die ersten gesunden Züge geistiger 
Emanzipation der Frauen hervortreten. 
Im übrigen ist auch die unbedingte Nachahmung anderer, 
der bloße Willensautomatismus, als Form der Fremdsuggestion 
in den Anfängen der zweiten subjektivistischen Periode viel 
stärker vertreten als im Beginne der ersten; wie er denn
	        
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