Die Frühromantik.
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auf, auf dem wir die Autosuggestion zuletzt kennen gelernt
haben, so ist augenscheinlich, daß die Sucht, Neues zu er⸗
fahren, also das Sensationsbedürfnis im objektiven Sinne, im
Naturalismus der zweiten Periode wie nicht minder in der
Gegenwart schon an sich um vieles stärker entwickelt ist als im
18. Jahrhundert: unsere ganze seelische Konstitution ist, infolge
ständiger Zufuhr überaus großer Massen von Reizen seit zwei
Menschenaltern, gleichsam auf deren stetige Aufnahme in dem
herkömmlichen Übermaße nunmehr eingerichtet: und bedarf daher
dieses Ubermaßes. Besonders charakteristisch zeigt sich diese
Entwicklung in ihren Auswüchsen, in der Neugier gegenüber
dem Schamlosen und dem Ungeschmack oder, wie man es auch
ausdrücken kann: in der Prostitution der hergebrachten sittlichen
und ästhetischen Persönlichkeit. Gewiß ist auch die zweite
Hälfte des 18. Jahrhunderts, wie jede Zeit einer Dissoziation
älterer Kulturzustände, von Kultur der Fäulnis keineswegs frei
gewesen; und der Reiz, Häßliches zu sehen, hat schon den Hund
des Aubry auf die Bühne gebracht. Was bedeutet das aber
gegenüber den Erscheinungen der Gegenwart: gegenüber der
gesteigerten sexuellen Perversität, gegenüber der Brutalität in
der Behandlung sexueller Fragen überhaupt, gegenüber der
Grausamkeitswollust, gegenüber den Mord- und Selbstmord⸗
epidemien! Spezifisch ist dabei noch, daß diese in solchen
Dingen so rohe Zeit doch zugleich, freilich ebenfalls aus Per⸗
versität, nicht aus Verehrung, einen feministischen Zug an—
genommen hat, wie er freilich auch der zunehmenden Willensauto—
matie vor allem der Männer verdankt wird. Oder ist vielleicht
eben in ihm eine der ältesten Erscheinungsformen dleses ganzen
Stimmungs- und Charakterkomplexes zu sehen? Schon in der
Romantik scheinen einige Anfänge vorhanden gewesen zu sein,
wie denn in ihr zugleich auch die ersten gesunden Züge geistiger
Emanzipation der Frauen hervortreten.
Im übrigen ist auch die unbedingte Nachahmung anderer,
der bloße Willensautomatismus, als Form der Fremdsuggestion
in den Anfängen der zweiten subjektivistischen Periode viel
stärker vertreten als im Beginne der ersten; wie er denn