346 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Alten musterhaft bearbeitet, so die Chronologie und noch mehr,
in seinen Metrologischen Untersuchungen von 1838, die griechi⸗—
schen Maße und Gewichte, deren Zusammenhang mit dem
afiatischen Orient er nachwies.
Wie aber Böckh die philologische Wissenschaft durch die
Kenntnis und Erforschung der ökonomischen und politischen
Seiten des antiken Lebens grundsätzlich zu einer höchst all⸗
gemeinen und vollkommneren historischen Disziplin umschuf,
so gelang dies für die ideellen Seiten der antiken Kultur den
Bonner Archäologen Welcker und Jahn wie dem Göttinger
Otfried Müller. Auf diesem Gebiete hatte allerdings Friedrich
Creuzer (1l771 - 1858) in seinem Buche über Symbolik und
Mythologie (1810-12) in romantischer Überhast und voll
Schellingscher Ideen alsbald den vollen Inhalt einiger neu zu
hegründender Disziplinen vorwegnehmen wollen. Natürlich
ohne Erfolg. Nur in harter Arbeit, unter eingehender Samm—
lung erst des sehr zerstreuten Materials, namentlich soweit es
monumentaler Art war, und unter unablässiger Kontrolle neuer
Methoden konnte das gelingen. Da war denn zunächst die Grün⸗
dung des Archäologischen Instituts zu Rom, 1829, von Bedeutung:
anfangs international, später mehr deutsch, ist es zur wichtigsten
Pflegstätte vor allem der kunstgeschichtlichen Bestrebungen ge—
worden. Freilich den ersten Studien Welckers (1784 - 1868)
kam es noch nicht zugute. Welcker, einer der ersten Philologen,
die persönlich nach den Ländern des klassischen Altertums wall⸗
fahrteten, war schon in den Jahren 1806 -08 in Rom gewesen
und verdankte diesem Aufenthalte, der ihn zugleich in das Haus
des feinsinnigen Wilhelm von Humboldt führte, die dauerndsten
Anregungen. Denn von da ab sah er das Kunstwerk nicht
mehr isoliert, sondern eingebettet in seine lokalen, religiösen,
technischen Beziehungen: und diese Betrachtungsweise wies ihm
sofort den Weg vollgeschichtlicher Auffassung. Und so wandte
er sich außer der Literatur nicht nur der Entwicklung der Kunst,
namentlich in deren höchsten Blütezeiten, zu; auch andere
Seiten des antiken Lebens und vor allem die Mythologie als
nächstes Verständnismittel der Kunst haben ihn beschäftigt.