Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

368 Vierundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Es war eine für die äußere Machtstellung Osterreichs und, in⸗ 
sofern dieses allenfalls noch Deutschland vertrat, auch Deutschlands 
schmerzlicher Abschluß. Es begann sich zu rächen, daß Metternich 
in der äußeren Politik an derselben unseligen absoluten Restaura— 
tion festhielt, durch deren Durchführung, wie wir sehen werden, er 
Deutschland auch im Innern unglücklich machte. Überblickte man 
aber den Verlauf der griechischen Wirren in ihrer weiteren Ein— 
wirkung auf Europa, so ergab sich, daß die Großstaaten sich in der 
diplomatischen und schließlich militärischen Behandlung dieser 
Sache am Ende getrennt hatten: die Heilige Allianz war äußerlich 
gesprengt worden. Aber sie war auch innerlich gesprengt! Denn 
die Alliierten von Navarino hatten in dem Londoner Protokoll 
Revolution und Nationalitätsprinzip wenigstens für eine Stelle 
Europas, wenn auch nur in dem entlegeneren Südosten, an⸗ 
erkannt, ja seine Durchführung veranlaßt und begünstigt. 
Es war klar: Liberalismus und Nationalismus drangen in 
das monarchische System des Erdteils ein: und so sehr sich die 
freiheitsliebende deutsche Gesellschaft dieses Umschwungs freuen 
mochte, so sehr bedeutete das für die deutschen Großmächte nach 
der einmal bestehenden Kombination der Dinge doch zugleich 
einen zunehmenden Verlust ihres Ansehens. Dabei war diese 
Entwicklung noch keineswegs abgeschlossen. Vollendet wurde sie 
erst durch die französische Julirevolution und die Befestigung 
der liberalen Entwicklung in England. 
In England war auf Georg III. im Jahre 1820 Georg IV. 
gefolgt, nach den Sportsmännern der erste Gentleman Europas, 
in Wahrheit ein infamer Wüstling. Das Ärgernis, das er 
gab, führte zur Abwendung der Nation von den Torys; 
Canning machte während seiner langen Ministerzeit die Wand⸗— 
lung der Anschauungen ins Whigistische mit. Als er dann 
1827 starb, folgte zwar noch ein Torykabinett, aber mit dem 
Tode Georgs IV. (1830) war der Übergang zu liberalen 
Strömungen auf lange entschieden. Denn nun folgte nicht 
nur in Wilhelm IV. von 1830 bis 1837 ein liberaler König 
und diesem in Viktoria eine liberale Königin: die ganze innere 
Entwicklung Englands vor allem wies in ein schon modern—
	        
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