Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 383 
wirkungen insbesondere der nun in weitere Kreise dringenden 
Frühromantik nach den großen Ereignissen der Jahre 1813 bis 
1815 lange erhalten würde? Hatte Arndt gesungen „Das 
ganze Doutschland soll es sein“; hatte Stein geschrieben „Ich 
habe nur ein Vaterland, und das heißt Deutschland; ... mir 
find die Dynastien in diesem Augenblicke großer Entwick— 
lung vollkommen gleichguültig, es sind bloß Werkzeuge“: bald 
dachte man anders; und mit dem steigenden historischen Sinne 
der Romantik feierte der Legitimismus Orgien der Auf⸗ 
erstehung. 
Dazu kam, daß Osterreich schon 1813 die diplomatische 
Führung des Krieges gegen Frankreich über Preußen hinweg 
an sich gerissen hatte, und daß Metternich in Verfolgung dieser 
Handlungsweise mit den süddeutschen Staaten schon Verträge 
abgeschlossen hatte, die den Aufbau eines mächtigen Bundes— 
staates von vornherein verhinderten. Und sterreich wollte 
einen solchen Bundesstaat überhaupt nicht. In Wien wollte 
man vor allem österreichische Großmacht werden und bleiben: 
also mit den deutschen Dingen nur insoweit befaßt sein, um 
sie im Sinne der eigenen Politik zu beherschen. Und so wünschte 
man weder ein deutsches Kaisertum des österreichischen Kaisers 
noch eine Führung der deutschen Angelegenheiten durch einen 
anderen Staat, etwa gar wohl durch Preußen. Den österreichi— 
schen Absichten, den Anschauungen Metternichs entsprach daher 
nur eine Verfassung, die wie die spätere Bundesverfassung be⸗ 
schaffen war. 
Zu den politischen Bedenken kamen für OÖsterreich auch 
noch legitimistische. Osterreich ließ sich von vornherein der 
Idee der Nationalität und der damit verquickten Idee staats— 
bürgerlicher Freiheit nicht einordnen: bei seiner Zusammen⸗ 
setzung aus zahlreichen Nationalitäten wäre es darüber zugrunde 
gegangen. Heute wie damals beruhte darum die Einheit der 
österreichischen Monarchie auf der Anhänglichkeit der Völker 
an die Herrscherfamilie, d. h. auf dem Legitimismus. 
In diesem Zusammenhange mag man am ehesten die ge⸗ 
schichtliche Rechtfertigung der Metternichschen Reaktionspolitik
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.