Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 387 
300 000 Mann bestehen, formiert in zehn Armeekorps, deren 
je drei erste von Osterreich und Preußen, das siebente von 
Bayern, das achte bis zehnte von den übrigen Staaten zu 
stellen waren. Aber ein gemeinsames Kommando im Frieden 
gab es nicht, noch viel weniger eine einheitliche Organisation: 
jeder Staat richtete sein Kontingent selbst ein, ja es war ver— 
boten, das Kontingent eines kleineren Staates einem größeren 
zu unterstellen; und eine Musterkarte teilweise phantastischer 
Uniformen bezeugte den tatsächlichen Charakter der Desorgani— 
sation auch äußerlich. Wie es dabei namentlich im achten bis 
zehnten Korps selbst innerhalb des eigentlichen Dienstbereiches 
uussah, läßt sich denken. Das neunte und zehnte Korps wurde 
überhaupt erst im Laufe der nächsten vierzehn Jahre formiert, 
und auch dann nur auf dem Papiere. Ebenso wurde erst 
nach einem langen Hin und Her von Verhandlungen Ulm 
den alten Bundesfestungen Luxemburg, Mainz und Rastatt 
hinzugefügt. 
In den dreißiger Jahren ist dann allerdings noch einmal 
der Versuch des Anfangs eines Ausbaus der Heeresverfassung 
gemacht worden. Als unmittelbar nach der Julirevolution 
criegerische Übergriffe Frankreichs über den Rhein nicht aus— 
geschlossen waren, während Frankreich gleichzeitig der belgischen 
Revolution sympathisch gegenübertrat und in Italien die re— 
volutionären Bewegungen im Gegensatz zu Ögsterreich zu schützen 
schien, kamen die süddeutschen Staaten in große Verlegenheit. 
Osterreich, in Italien beschäftigt, konnte ihnen für den Fall 
eines französischen Angriffs wenig helfen; ja es schien fast, 
als ob es einen Angriff Frankreichs auf Süddeutschland gern 
sehen würde, um in Italien freie Hand gegen die Revolution, 
die ohne Frankreichs Hilfe viel leichter zu bewältigen war, zu 
erhalten. In dieser Not rüsteten Württemberg und Bayern 
eifrig, und zwar außerhalb des Rahmens der Bundeskriegs-⸗ 
oerfassung, denn in beiden Staaten wußte man wohl, daß diese 
nichts taugte. Das gemeinsame Heer sollte dann unter den 
Oberbefehl König Wilhelms von Württemberg gestellt werden, 
der schon als Kronprinz militärisches Geschick als Heerführer 
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