Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

388 Vierundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
bewährt hatte. Gleichzeitig aber wandten sich Bayern und 
Württemberg an Preußen, es solle den Mitschutz auch des 
Oberrheins übernehmen; am besten werde man hierzu gemein⸗— 
same militärische Abmachungen treffen. 
Damit war denn ein Moment gegeben, auf das hin 
zunächst eine militärische Sonderverfassung im Bunde und 
damit vielleicht der Kern einer allgemeinen Reform der Heeres-, 
wenn nicht gar der Bundesverfassung, hätte entwickelt werden 
können. Aber freilich mußte man rasch handeln, ehe die Kriegs— 
gefahr verflog. 
Indes Friedrich Wilhelm III. zauderte; und schließlich 
glaubte er in der Sache nichts tun zu dürfen ohne Vorwissen 
Hsterreichs. Im Januar 1831 ging daher General von Röder 
nach Wien und machte den Vorschlag, für den Kriegsfall drei 
Heere aufzustellen, am Niederrhein, am Main und am Ober— 
rhein, wobei die Disposition so getroffen war, daß Bayern 
und die drei gemischten Bundeskorps unter preußisches Kom⸗ 
mando gekommen wären. Den gemeinsamen Oberbefehl aber 
sollte nicht ein Bundesfeldherr, sondern nach Analogie der 
Verhältnisse des Jahres 1818 ein großes Hauptquartier führen. 
Nun war es ganz selbstverständlich, daß Preußen mit 
diesen Vorschlägen auf Metternichs entschiedenen Widerstand 
stieß. Metternich stützte sich dabei in seinen Gegenargumenta— 
tionen auf das Bestehende: an die Bundeskriegsverfassung 
habe man sich zu halten. Und damit gelang es ihm, einen 
Entscheid in der Sache im Laufe der kommenden Monate bis 
zum Herbst 1832 überhaupt aufzuhalten, — um dann, als die 
Kriegsgefahr längst vorüber war, den vreußischen VPlan im 
allgemeinen zu billigen. 
Natürlich aber wollten nunmehr die süddeutschen Staaten 
von diesem Plane nichts mehr wissen, wie er denn in der Tat 
zum Teile wenigstens gegenstandslos geworden war: die Sache 
schlief ein, und auf lange hin war eine letzte Gelegenheit zur 
Begründung einer besseren Heeresverfassung, eine Gelegenheit 
auch vielleicht zur Begründung der Anfänge eines engeren 
Deutschlands unter Preußens Führung verabsäumt.
	        
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