396 vierundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Aachen, Berlin, Breslau, ferner in Mainz und Hamburg.
Förmliche kleine Revolutionen aber gab es in Braunschweig,
Kurhessen, Hannover und Sachsen: d. h. in den schlecht kon⸗
stitutionellen Staaten des Nordens. In den süddeutschen
Staaten dagegen herrschte im allgemeinen Ruhe; kaum, daß
es in Bayern zu geringfügigen, in Baden zu schärferen Mei—
nungsäußerungen der Kammern kam!.
Es waren Erscheinungen, die Metternich aufs äußerste
bedrängten, zumal er gleichzeitig den Zerfall seiner europäischen
Hegemonie erleben mußte. Und unglücklicherweise gaben einige
Unbesonnenheiten der Liberalen in Süddeutschland ihm die
Handhabe, von neuem und nochmals härter einzuschreiten.
In der Pfalz und in Hessen agitierte damals eine Reihe
radikaler Liberaler, vor allem der Doktor Wirth. Sie ver⸗
anstalteten Volksversammlungen von Ort zu Ort. Eine Haupt⸗
versammlung fand am 26. bis 28. Mai 1832 auf der Schloß—⸗
ruine zu Hambach bei Neustadt an der Hardt statt. Angeblich
3040000 Menschen waren anwesend. Doktor Wirth schwang
einen Ehrensäbel und brachte den vereinigten deutschen Freistaaten
ein Hoch, den deutschen Fürsten einen dreimaligen Fluch aus.
Worauf spornstreichs der glorreiche Besiegte von Hanau, Fürst
Wrede, mit viertausend reisigen bayrischen Kriegern herzukam,
die Demokraten mit der Schärfe des Schwertes zu schlagen. Doch
fand er niemand mehr vor: man war ruhig nach Hause gegangen.
Ein Jahr darauf, am 8. April 1833, ereignete sich noch
Furchtbareres am Sitze des durchlauchtigsten Bundestages zu
Frankfurt. Ein Revolutionsheer von einundfünfzig Mann,
unter der Führung des Doktors Gärth, des Göttinger Privat⸗
dozenten von Rauschenplat und des braunschweigischen Stu—⸗
denten von Rochau, unternahm einen Feldzug gegen die Frank⸗
furter Hauptwache, eroberte sie und behauptete bei zwei Stunden
das Feld.
Es war klar: mit diesen Ereignissen war der Beweis der
Konspiration und Revolution in Deutschland geliefert.
S. Genaueres darüber unten S. 406.