Object: Finanzwissenschaft

12: 3. Buch. Die Staatsausgaben. 
die tägliche Ubung kann dies erreichen und dies bildet — wie 
Smith schon damals sagt — „die Superiorität der preußischen 
Armee“. „Die Geschichte aller Zeiten beweist die unwiderstehliche 
Superiorität der regulären Armee über die Miliz.“ Hieraus folgt, 
daß mit dem Fortschritt der Gesellschaft die Kosten für die 
Landesverteidigung progressiv zunehmen und diese Kosten werden 
am leichtesten durch reiche Völker getragen. Im Altertum war 
es für ein reiches Volk schwer, sich gegen Barbaren zu verteidigen. 
In der modernen Zeit ist es für arme und barbarische Völker 
schwer, sich gegen reiche und zivilisierte Völker zu verteidigen. 
Der Fortschritt der Kriegstechnik, scheinbar gefährlich für die 
Zivilisation, ist‘ derselben günstig, und dient sowohl der Stabilität 
als der Verbreitung der Zivilisation. 
Soweit die interessanten, durch reiche geschichtliche Ausblicke 
beleuchteten Erörterungen Adam Smith’s. 
2. Allgemeines. „Der Mensch ist ein kriegerisches Tier“ 
(man is a fighting animal) hat Palmerston einmal im englischen 
Parlament gesagt. Dies drückt sich auch prägnant in den Aus- 
gaben des Staates aus. Die Ausgaben für das Heer bilden in der 
Regel den größten Posten des Budgets. Im Durchschnitte betrugen 
diese Ausgaben in der Vorkriegszeit 20—30 Prozent der gesamten 
Ausgaben, von den durch den Krieg verursachten ganz abgesehen. 
In manchen Fällen sind diese Ausgaben noch höher und im 
primitiven Staat, der für kulturelle Bedürfnisse nicht sorgt, über- 
schreiten sie oft auch den Betrag von 50 Prozent. Die Staatshaus- 
haltslehre befaßt sich nicht — wie wir schon nachgewiesen haben — 
mit der Untersuchung der Berechtigung der Staatsausgaben, welche 
wir daher auch hier beiseite lassen. Wir werden nur die Momente 
untersuchen, welche auf die Höhe dieser Ausgaben Einfluß aus- 
üben. Natürlich müssen sich die Ausgaben vollständig der Wichtig- 
keit des Zweckes anpassen, welcher die Sicherung der Selbständig- 
keit und Unabhängigkeit des Staates ist. Eine Sparsamkeit, welche 
diesen Zweck gefährdet, ist die allerunvernünftigste, verhängnis- 
vollste. Nur innerhalb dieser Grenzen kann und darf die Minderung 
der Ausgaben angestrebt werden. 
Obwohl die Vorbedingungen der Staatenbildung in verschiedenen 
Perioden sich verschieden gestalten, können doch: namentlich fol- 
gende Momente als diejenigen bezeichnet werden, die auf die Kosten 
der Landesverteidigung besonderen Einfluß ausüben: 1. die Größe 
des zu sichernden Staatsgebietes; 2. Größe, Wichtigkeit und kriege- 
rischer Geist der Bevölkerung; 3. die Lage und Konfiguration des 
Staates, seine Verteidigungsfähigkeit, Vorhandensein von natürlichen 
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