450 Vierundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
bereits um etwa 1810 schon weit deutlicher entwickelt. Da ist
kein Zweifel mehr: der politische Universalismus wird dem
Nationalitätsprinzip in der festen und engen Begrenzung, die
der Liberalismus eben jetzt zu predigen beginnt, bei weitem
vorgezogen. Und die Erfüllung der universalistisch-klerikalen
Ideale wird von Österreich erwartet. Demgemäß stellt sich die
Anschauung innerhalb der deutschen Verhältnisse dahin ein,
daß ein neuer deutscher Staat nicht von einer kleindeutschen
nationalistischen Einheitsbewegung unter Führung einer pro—
testantischen Vormacht, insbesondere Preußens, erwartet und
ersehnt wird, sondern vielmehr aus dem Vorgehen OÖsterreichs
her, das in seiner bunten nationalen Zusammensetzung unter
dem Einheitszepter der Habsburger selbst schon einen Typ der
ersehnten größeren Vereinigung darbiete.
Und unterhalb der Kreise und Schwingungen dieser inter⸗—
nationalen und großdeutschen Anschauungen befestigt sich auch
schon der Rahmen der Forderungen, die an die eigentliche, die
innerstaatliche Organisation gestellt werden.
Da ist denn der Blick im allgemeinsten noch recht frei;
selbst die Frage, ob Monarchie oder Republik die vorzuziehende
Staatsform sei, wird noch vorurteilslos von dem Gesichtspunkte
her geprüft, daß der beste Staat vor allem auf der harmonisch⸗
sten Zusammenfügung seiner individuellen Elemente beruhen
müsse: und von da aus rühmt und begründet August Wilhelm
von Schlegel die hohe staatspolitische Stellung vor allem der
Schweiz. Aber daneben stellt sich doch eine immer aus—
gesprochenere Vorliebe für die Monarchie ein: natürlich schon
aus inneren Gründen, da sich nur hier, durch die geweihte
Person des Fürsten hindurch, ein leichter Anschluß der schon
gewonnenen politischen Vorstellungen an das hehre Bild der
Concordantia catholica nova ergab; nicht minder begreiflich
aber auch aus einer äußeren Ursache: im Bereiche des deutschen
Lebens hatte schon seit Jahrhunderten die Monarchie gesiegt.
Wie aber wurde nun das aus göttlicher Höhe gesegnete
Fürstentum wirksam? Konnte vor dem erhabenen Bilde des
Fürsten von Gottes Gnaden die moderne Neigung zur Ra—