Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Fortschritte des politischen Denkens. — 451 
tionalisierung des Staates bestehen? Adam Müller hat sogar 
die Trennung der Zentralgewalt in Fachministerien verworfen. 
Keine Arbeitsteilung, keine der Isolierung einzelner Gewalten 
zuschreitende Praxis überhaupt sollte den voll dahinflutenden 
Strom souveräner Auswirkung stauen, behindern, schwächen: 
als Repräsentant der großen harmonischen Einheit vor allem 
erscheine der Monarch: als unmittelbarer Herrscher, als Priester, 
als Träger des Willens aller in Treue um Treue. Und in 
dieser Begabtheit sei er zugleich die alles Recht gewähr— 
leistende Person; nicht der Zwang der Gesetze, sondern die 
Autorität des Fürsten soll den Staat erhalten. Darum gehen 
denn öffentliches Interesse und persönliches Recht des Fürsten 
völlig ineinander auf; und so besitzt der Fürst — die Ratio— 
nalisten würden sagen: privatrechtlich — alles Staatseigentum, 
wie es keine Trennung von fürstlichem und staatlichem Haus— 
halt gibt. 
Fühlt man sich nicht mit alledem scheinbar in die Zeiten 
der absoluten Monarchie zurückversetzt, so, wie sie deutsche 
Fürsten auf Grund von Luthers Lehre und eigenem sittlichen 
Bewußtsein als ein göttliches Amt verwaltet hatten? Aber 
die Lehre der Romantik ergänzte die Lehre vom Fürsten durch 
eine grundsätzlich nicht minder energische Lehre vom Volke. 
Da wurde ganz subjektivistisch die „höchste Freiheit des einzelnen 
bei der festesten Vereinigung aller“ proklamiert. Und indem 
die Aufgabe, sie zu wahren, zur Lösung gestellt wurde, erhielt 
der einzelne ein durchaus sicheres Recht der Anteilnahme an 
der öffentlichen Gewalt. War indes diese Anteilnahme nach 
den individualistischen Wahlsystemen der Revolution zu ge— 
währleisten? „Man muß im politischen Leben das wirklich 
sein, was man darstellen soll,“ lautete das Richtwort, und, 
vom Standpunkte subjektivistischen Denkens her viel richtiger 
als das System der Revolution, führte es zu dem Gedanken 
einer Volksvertretung nach der politischen Bedeutung der 
einzelnen Subjekte, und von da zur Idee einer Repräsentation 
nach Ständen. 
Erschien nun aber diese Lösung theoretisch als korrekt und 
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