478 Vierundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
War das nun im engeren, parteipolitischen Sinne liberal?
In Frankreich war die Romantik mit der Julirevolution in
ebendiesem begrenzten Sinne liberal geworden; Valet gesagt
hatte sie dem Kernmotiv alles Romantischen, der modernen
Mystik. Das Junge Deutschland dagegen blieb noch stark im
Traditionellen und damit Irrationalen befangen, und so knüpfte
es selbst an die alte Aufklärung noch an, indem es deren
Toleranz- und Humanitätsideale sentimental und pathetisch
wiederaufleben ließ, erinnerte in seinen gezwungenen Geist—
reichigkeiten, einem Symptom echten Philisterwesens, an Jean
Paul, dessen Willkür des Fabulierens und ästhetische Unordnung
ebenfalls Nachahmung fand, und blieb vor allem in der Ro—
mantik stecken, und zwar nicht bloß, wie wir schon hörten, auf
dem Gebiete der Phantasietätigkeit, sondern noch mehr in deren
ideenhaften Anschauungsinhalten, deren letzter Philosophie, be⸗
sonders in Hegel. Damit entstand denn eine Unklarheit der
inneren Charakterdurcharbeitung und der Systematik der Ge⸗
dankenbildung, die es bei allem Streben nach Realität doch
nicht zu wohlumschriebenen Personen und Leistungen kommen
—DDDDD— kennzeichnen
begann, war vielmehr das Auftreten jener Charaktere, die eine
spätere Zeit als problematische bezeichnet hat, wenigstens in
einigen Grundeigenschaften; was aber die Inhaltssystematik
betraf, so war eine Konzentration höchstens insofern zu be—
merken, als die Frage nach der obersten Organisation des
Staates als dasjenige aller Probleme, das man für entscheidend
erachtete, leise in den Mittelpunkt des Interesses zu treten
begann. Aber hatte man auch nur dafür über Rotteck und
Welcker hinaus eigene Gedanken? Noch überwog Abstraktion
und allgemeines Vorstellen in idealpolitischer Betrachtung; und
ahnte man auch schon die Hauptschwierigkeiten auf politischem
Gebiete in dem Problem eines gerechten Aufbaues des neuen
Staates auf die sozialautonomen Kräfte und erging sich in—
folgedessen allgemein in einem kräftigen Hasse gegen die als rein
geschichtlich betrachtete Stellung des Adels, so war man doch
noch weit davon entfernt, in dieser zentralen Angelegenheit