484 Vierundzwanzigstes Buch. Fünftes VKapitel.
(1833) Kirche und Christentum schon aufs schwerste an—
gegriffen hatte, in erster Linie nach dem Vorgange von
George Sand in Frankreich (Lélia, 1833) das Thema der
Frauenemanzipation behandelt und die These verfochten, daß
die Ehe unter keinen Umständen Institution der Kirche sein
dürfe: ihr Sakrament sei nicht der Segen des Priesters, sondern
die Liebe, die Liebe im physiologischen Sinne.
Schon lange hatten konservative Geister gegen die zu—
nehmende Verstärkung des Tones der Jungdeutschen geeifert
und dafür die Billigung der Regierenden gefunden. Jetzt war
es dem Bundestage genug. Am 10. Dezember 1835 verbot
er die Schriften des Jungen Deutschlands, weil sie darauf
ausgingen, „in belletristischen, für alle Klassen von Lesern zu—
gänglichen Schriften die christliche Religion auf die frechste
Weise anzugreifen, die bestehenden sozialen Verhältnisse herab⸗
zuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören“; und
Gutzkow insbesondere wanderte auf einige Zeit ins Gefängnis.
Es war zugleich, sehr bezeichnend, das Ende der jung⸗
deutschen Bewegung. Zwar zuckten einige Erscheinungen der
Literatur gleichsam galvanisch noch nach; so erschienen z. B.
Willkomms „Europamüde“ erst 1838, ein verfehlter Roman
ooll gräßlicher Szenen und larvenhafter Charaktere, der das
verpestete Europa, das in der Weiterentwicklung seiner Kultur
sein eignes Grab schaufle, mit dem reineren Amerika zu ver⸗
tauschen riet. Im ganzen aber ergab man sich der Resignation;
Willkomm ist später ein geschätzter Leihbibliothekenautor ge—
worden; Mundt, der einst für Charlotte Stieglitz und Rahel
Varnhagen geschwärmt hatte, heiratete Luise Mühlbach.
In organischer Form trat die Resignation bei den wichtig⸗
sten Gliedern der Gruppe hervor, bei Gutzkow und Laube.
Vor allem Laubes Junges Europa in seinem zweiten und
dritten Teile, die erst 1838, fünf Jahre nach dem ersten, er⸗
schienen, gibt davon Zeugnis. Da erscheint der Autor als ein
ganz anderer, nun freilich auch als einer der Besonnensten
seiner Gruppe und seiner Zeit. Er hat jetzt die Idee des
Nationalismus in sich aufgenommen; der Traum der Welt—