Fortschritte des politischen Denkens. IJ 501
Erziehung als auf Spekulation und Systematik, mehr auf
tätiges Ausbreiten einzelner Grundgedanken, denn auf ver—⸗
tiefende Zusammenfassung hinauslief. Genug, wenn es ge—
lang, die Gebildeten unter den Deutschen „aus Gottesfreunden
zu Menschenfreunden, aus Gläubigen zu Denkern, aus Betern
zu Arbeitern, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des
Diesseits, aus Christen, welche ihrem eigenen Bekenntnis und
Geständnis zufolge ‚halb Tier, halb Engel sind, zu Menschen,
zu ganzen Menschen zu machen“!.
Doch würde man fehlgehen, wenn man den Anregungen
Feuerbachs nicht auch eine tiefere Bedeutung zuschriebe. Nicht
umsonst unterschied Feuerbach in seiner Theorie die Lehre von
der Natur und vom Menschen. Seine Theorien waren durch
den Einzug eines gänzlich neuen Denkens in die Philosophie
ausgezeichnet, eines Denkens, das im Grunde nur Naturphilo⸗
sophie und Anthropologie und Psychologie kannte. Es war, auf
dem Gebiete der Begründung allgemeiner Weltanschauungen,
die allgemeine Konsequenz des Denkens von Herbart und vor
allem von Beneke. Man lernte jetzt begreifen, und hierin
zeigte sich vor allem der Einfluß der neuen, vollrealistischen
Entwicklung der Naturwissenschaften, die eben damals der Ent—
deckung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft entgegen⸗
gingen?, daß es eine Menge Dinge zwischen Himmel und Erde
gebe, auf die eine strenge Systematik nach Art der alten mathe—
matisch-⸗philosophischen Methode des Rationalismus und nach
Art der dialektischen Methoden der Romantik nicht anwendbar
war. Man begann dem Drange zum Absoluten aus dem Wege
zu gehen. Man wollte nichts mehr wissen und hören von
Vernunftgesetzen, von außersinnlichen Ursprungsweisen und von
einer überirdischen Welt höherer Werte. Man verzichtete gern
auf den „üppigen Traum der Unsterblichkeit“. Man zog sich
auf das positive Erkennen zurück. Und so fielen denn die alte
Metaphysik, die Spekulation der Romantik und mit ihr auch
Aus dem Schluß der Heidelberger Vorlesungen, 1849.
S. oben S. 299 ff.