fullscreen: Holländische Wirtschaftsgeschichte

an der örtlichen Industrie, auch wohl an der Reederei durch Parten. 
Dann waren die großen Unternehmungen nach Übersee ins Leben 
gerufen worden; nun erwarb er von seinen Ersparnissen Aktien 
der Ostindischen und Westindischen Kompanie. Mit der Anhäu- 
fung des Kapitals wuchs die Vorsicht und die Abneigung gegen 
Risiko; der Eigenhandel machte dem behäbigen Kommissionshandel 
und dieser dem sorgenlosen Rentengenuß Platz. 
So entwickelte sich stufenweise der findige, sparsame, Geld 
scharrende Geschäftsmann, dessen phlegmatische, Gemütserregungen 
abgeneigte Natur alles andere kannte, nur nicht Sentimentalität 
in Geldsachen. Hier in Holland erlernte man ‚,die schöne Ökonomie, 
die die Häuser reich macht‘‘1). Holland wurde die hohe Schule 
des kapitalistischen Geistes, in der Engländer, Hanseaten und andere 
in die Lehre gingen. Hier studierte man die moderne Geldleihe, 
die aus wenigem viel machte und überall die Stellen auszuspüren 
verstand, die geldbedürftig waren und den angehäuften Schätzen 
eine angemessene Verzinsung versprachen. Der satte, von seinen 
Zinsen lebende Mijnheer wurde das klassische Vorbild des Bour- 
geois, wie wir ihm später in fast allen Ländern der Welt begegnen. 
Zunächst nötigte freilich der Befreiungskampf zur straffen 
Zusammenfassung der eigenen Mittel, und Staat und Kaufmann 
waren vielfach auf fremde Unterstützung angewiesen. Anders wurde 
das im 17. Jahrhundert, als durch den zunehmenden Handel, den 
Zufluß des Vermögens der von auswärts einwandernden Flücht- 
linge, durch die großen Unternehmungen sich der Reichtum im Lande 
schnell vermehrte?), zum Teil auch durch den oben?) erwähnten 
Ämtermißbrauch. Die Landwirtschaft war erst später beteiligt, 
während der Handel, die Reederei und die mit ihnen zusammen- 
hängenden Vermittlungsgeschäfte wohl für die Vermögensbildung 
das meiste beitrugen. 
Ein Teil dieses Reichtums fand Anlage im einheimischen 
ländlichen Grundbesitz und in der Industrie, ein anderer in den 
) Sombart, Der Bourgeois, S. 159. 
?) Vgl. über diese Kapitalsanhäufung Sombart, Kapitalismus, II, 2, 
S. 982 f. Allein von Westafrika wurde von 1629—1636 für ır 733 900 fl. Gold 
und Elfenbein im Gewicht von ı 137 400 Pfd. nach Holland eingeführt (Zimmer - 
mann, Kolonialpolitik, S. 43). 
3) SS; 187. 
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte. 
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