Die Frühromantik.
45
dem sich Parallelen in dem Verfalle der frühromantischen
Geister in allerlei Gebundenheiten, insbesondere in die Geistes⸗
herrschaft des Katholizismus, ohne weiteres darbieten. Sie
zeigt zugleich einen Verlauf, der nach allem, was schon er⸗
zählt worden ist, unvermeidbar war: sie bedeutet einen ersten
großen Schritt zur Objektivierung der subjektiven Persönlichkeit.
War aber in diesem ersten Falle schon eine von der Selbst⸗
herrlichkeit der frühromantischen Persönlichkeit ausgehende Be⸗
trachtungsart schließlich in den Ruhm der Selbstherrlichkeit
des Absoluten und seiner Auswirkung wie in der Welt der
Erscheinungen, so in den Einzelpersonen umgeschlagen, so war
klar, daß der Weg der Philosophie, bei aller Freiheit des
Denkens, in der Richtung stärkerer Entschleierungsversuche des
Wesens und der Altualität des Absoluten weiterführen mußte.
Dies ist nun in der Tat der Pfad, den die Philosophie
Schellings eingeschlagen hat. Schelling, 1775 als Sohn eines
württembergischen Landgeistlichen geboren, frühreif, 1798 auf
Goethes Veranlassung zum Professor in Jena berufen, 1808
Professor in Würzburg, dann, seit 1806, in München in hohen
Ehren lebend, 1841 durch Friedrich Wilhelm 1V. als Prophet
gegen den neuen Zeitgeist nach Berlin erbeten, ist im Jahre
1854 auf einer Reise in der Schweiz gestorben. Für die Ent—
wicklung des deutschen Denkens war er aber schon seit seiner
Übersiedlung nach Würzburg von geringerer Bedeutung; und
bereits gegen Schluß des ersten Jahrzehnts des 19. Jahr⸗
hunderts erlag er den rettungslosen Wirrnissen einer immer
ungezügelter verlaufenden theosophischen Spekulation. Seine
große Zeit war mithin die Jenenser, und seine einflußreichsten
Werke blieben die ersten naturphilosophischen Bücher, welche
er schrieb, nachdem er Herdersche und Fichtesche Ideen passiert
hatte: die Ideen zu einer Philosophie der Natur (1797), das
Buch von der Weltseele (1798), der erste Entwurf eines
Systems der Naturphilosophie (1799) und auch noch das
System des transzendentalen Idealismus (1800).
In diesen Schriften ging Schelling von einem Gedanken
aus, für den die damals im Vordergrunde des wissenschaftlichen